Theater

Rosa

gripsrosaWie aus Leid Legenden werden, zeigt die neue Produktion des Grips-Theaters. Mit einer Revolutionsrevue huldigt man dort der Ikone aller linken Revolutionärinnen: Rosa Luxemburg. Drei­einhalb Stunden braucht Regisseurin Franziska Steiof, um den Text von Grips-Chef Volker Ludwig auf die Bühne zu bringen. Vom Krankenbett im elterlichen Haus in Warschau, über die Jahre im Züricher Exil, bis zur Revolutionärin in Berlin. Das Stück endet mit der Erschießung Luxemburgs und Liebknechts. Auf den Plakaten zum Stück hat das Grips ein Rosa-Luxemburg-Foto im Halbprofil mit einem Che-Guevara-Stern montiert. Und im Stück schlägt sich dieser Wille zur Ikonisierung nieder.

Steiofs „Rosa“ heroisiert sie als kämpferische Außenseiterin. Gefühl und Gewissen der internationalen Linken, die den Männern und Salonrevolutionären Paroli bietet. Eine bis ins Alter mädchenhaft schwär­­merische, später leicht bittere Rosa Luxemburg. In der Liebe so emotional wie auf dem Parteitag. Katja Götz als Luxemburg krallt verzweifelt die Finger in das kleine Stückchen Kunstrasen, das im sonst kahlen Bühnenvordergrund die Hoffnung auf bessere Zeiten symbolisiert. Um sich dann wieder dem nächsten Jüngling an die Brust („Nicht-Küssen ist konterrevolutionär“) und dem nächsten SPDler in den Weg zu werfen. Mit Spitz- und Backenbart verziert müssen August Bebel, Ignaz Auer, Karl Kautsky als leicht tattrige Revisionismus-Gang der charismatischen Rosa Paroli bieten.

Nur schwer erträglich ist es, wenn im „Schauspiel mit Musik“ die Revolution zu singen beginnt und Agit-Prop-Songs mit Liebesliedern wechseln, eines seichter als das andere: „Was kümmern uns Kerker und Leid – es geht um Gerechtigkeit. Was kümmert uns Rache – es geht um die Sache!“ So ersäuft das Stück ungebrochen im schnulzigen Revolutionskitsch.

Text: Björn Trautwein

Foto: David Baltzer

Uninteressant 5

Rosa Grips-Theater, Altonaer Straße 22, Tiergarten, Mi 26. bis Sa 29.11., 19.30 Uhr

Weitere Rezensionen: Thomas Bernhards „Ritter, Dene, Voss“ in den Kammerspielen, Rocky Horror Show im Admiralspalast, Anatol in der Schaubühne, Frank Castorfs „Kean“-Inszenierung

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