Theater

„Rot“ im Renaissance Theater

Was sehen Sie? Pulsieren die Farben auch ordentlich?“ In der deutschen Erstaufführung von John Logans Stück „Rot“ am Renaissance Theater spielt Dominique Horwitz den Künstler Mark Rothko und stellt wiederholt die entsprechenden Fragen. Er spielt ihn denkbar laut, breitbeinig fest auf die Bühnenbretter geholzt. Er überspielt die Rolle, selbstverständlich. Das ist schließlich die Natur von Starvehikel-Theater, die Rollen zu überspielen, sonst könnte man den Star ja gar nicht richtig wiedererkennen. Und für die Darstellung der aggressiven Unsicherheit eines Künstlers in der Situation Mark Rothkos Ende der 1950er (arriviert, aber noch nicht völlig, trotzdem sehr überzeugt davon, in einer Art Mission zu handeln) ist das Überspielen sicher nicht die falscheste Herangehensweise.

Gelegentlich darf Horwitz in Torsten Fischers Inszenierung seinen Assistenten Ken (Benno Lehmann), den Adressaten seiner Monologe, auch mal in den Würgegriff nehmen oder eine Leinwand blutrot anmalen. Ansonsten doziert er über Nietzsches „Geburt der Tragödie“, das naturgemäß Agonale der Kunst („man respektiert die Väter, um sie umzubringen“) und die schwarzen Flecken in den Bildern der Kunst. Mark Rothko gilt nicht umsonst als der Inbegriff des genialischen, tragischen modernen Künstlers, der irgendwann, so heißt es, vom Schwarz in seinen Bildern buchstäblich verschlungen wurde, sprich, von der eigenen Depression. 1970 beging Mark Rothko Selbstmord.

Das Stück spielt Ende der 1950er. Rothko bekam 1958 von dem Architekten Philip Johnson den Auftrag für eine Serie von Wandgemälden, die das Four Seasons Restaurant im New Yorker Seagram Building schmücken sollten. Rothko blieb gegenüber dem Auftrag ambivalent. Er sah zwar die Chance, mit seinen Bildern einen quasi sakralen Raum zu schaffen, fürchtete aber zugleich  den Ausverkauf als Dekoration. Davon, dass, wie und warum Rothko seinen ursprünglichen Auftrag nicht mehr erfüllen mochte, handelt das Stück. Das Bühnenbild (Vasilis Triantafillopoulos) ist denkbar einfach: Rothkos Atelier, Bilder, Entwürfe, Arbeitsutensilien, Malzeug, Schnaps, Zigaretten. Kopien von Rothko-Bildern schmücken nett auch die Theaterloge!

Text: Andreas Hahn

tip-Bewertung: Annehmbar

Rot
im Renaissance Theater

Karten-Tel. 312 42 02

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