Theater

Rrungs! in der Volksbühne

Wanda_golonka„Rrungs!“ – das klingt nach Karacho, nach irgendwo ankommen mit lautem Getöse. Viel versprechend für eine ‚Raumerkundung’ in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz; fast mag man denken, nötig für ein Haus, das weniger im Heute lebt als von den alten, glanzvollen Zeiten, in denen es das Theater mit jeder Inszenierung neu zu erfinden schien. Die Choreographin Wanda Golonka (Foto) erkundet jetzt mit „Rrungs!“ genau diesen Ort; dabei steht der Titel aber vor allem für eine ganz menschliche Kraft. Für die Kraft, die – wie Golonka sagt – uns treibt, antreibt, Verletzungen zu überwinden. Für das Stehvermögen, einen Weg zu gehen, auch wenn man nicht weiß, wohin er führt.

Golonkas Tänzer und Schauspieler, zum Teil aus dem Volksbühnen-Restensemble, zum Teil von Golonka mitgebracht, gehen dafür tief in ihre persönliche Geschichten und Biographien. „Sehr aufwühlend“ sei das, erzählt die Choreographin, „und sehr schön“.
Golonkas künstlerische Handschrift wird seit über zwanzig Jahren von einem abstrakt-assoziativen Ansatz geleitet und so wird es auch dieses Mal ein changierender Abend mit performativen Charakter sein, in dem Text, Musik, Tanz, Installation und die Videoarbeit Chris Kondeks aufeinandertreffen. Das Interdisziplinäre hat die gebürtige Französin, die einst zusammen mit dem bildenden Künstler VA Wölfl die Kompanie Neuer Tanz gründete, aus Folkwang mitgebracht; dort hat sie studiert und für Pina Bausch getanzt. Aber eigentlich sei das spartenübergreifende Arbeiten „das Einfachste der Welt“ und dem Alltag gemäß: „Jeder bewegt sich, hört Musik und spricht“, sagt die Choreografin. Und so wird das Publikum bereits im Foyer von den Darstellern empfangen, in einem kleinen Parcours in den Bühnenraum begleitet; wie ändern sich Wahrnehmung und Erwartungen, wenn man denselben Raum über einen anderen Weg betritt? Den Blick zu lenken und zu verändern – solche Sachen interessieren sie. Und dafür, da kann sie sehr ins Schwärmen kommen, biete die Volksbühne ideale Bedingungen: denn es sei nicht nur eine Architektur, die „antwortet“, sondern eine, die „das Publikum umarmt“.

Text: Elisabeth Nehring

Foto: Thomas Aurin

Termine: Rrungs!
in der Volksbühne
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