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Ruud Gielens über seinen patriotischen Liederabend im Maxim Gorki

Ruud_Gielens_01_c_BartGrietensHerr Gielens, wie müssen wir den Titel Ihres Liederabends über den Ersten Weltkrieg verstehen? Was „hätte klappen können“?
Das lassen wir ein bisschen offen. Es geht aber unter anderem darum, dass Patriotismus immer scheitert. Bei Historikern ist „hätte“ verboten. Im Theater ist es erlaubt.

Warum machen Sie einen patriotischen Lieder­abend?
Die Lieder stammen vor allem aus dem Ersten Weltkrieg. Ich als Belgier sehe in meinem Heimatland viel mehr Spuren aus dem Ersten Weltkrieg als ich sie hier in Deutschland finde. Vielleicht weil man in Deutschland sehr auf den Zweiten Weltkrieg schaut. Sich jetzt mit dem Ersten Weltkrieg auseinanderzusetzen und den Auswirkungen bis heute – das war unser Anlass, uns auch mit dem Deutschsein zu beschäftigen. Im Ensemble des Maxim Gorki Theater sind ja nicht alle „deutsch-deutsch“. Für mich war es wichtig, ein Projekt zu machen, bei dem die Schauspieler selbst mit Vorschlägen kommen. Was heißt Patriotismus heutzutage? Was kann ich als Schauspieler in Deutschland dazu sagen? Wir haben Lieder aus Russland und der Türkei miteinbezogen. Dadurch weitet es sich zu einer melancholischen Suche nach Identität.

Was reizt Sie an diesem Material?
In Deutschland ist Patriotismus ein heikles Thema. Man hat versucht, diese Lieder zu ignorieren. Man kann eine große Zahl von Liedern nicht mehr unbefangen singen. Aber zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde ziemlich ungezwungen über Heimat gesungen. In Belgien, wo ich herkomme, gab es solche Lieder immer – obwohl sie auch dort von Rechtsradikalen missbraucht wurden. Die Debatte, wem sie eigentlich gehören, gab es in Deutschland nicht mehr.

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Gehen Sie kritisch mit diesen Liedern um?
Wir wollen sie ohne Bewertung darstellen. Die Lieder haben eine Schönheit, aber auch martialisch-eklige Texte.

Ziehen Sie in Ihrer Inszenierung auch Verbindungen zu aktuellen Konflikten?
Wenn wir über Krieg und Patriotismus reden, ist die Ukraine heute natürlich ganz nah. Das betonen wir aber nicht ausdrücklich.

Interview: Stefan Hochgesand

Foto: Bart Grietens

Hätte klappen können Maxim Gorki Theater, Di 6.5., Do 8.5., Mo 12.5., Fr 30.5., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 20 22 11 15

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