Theater

Sagerts Welt

Die schönsten Entdeckungen lassen sich im Abseits machen, weit weg von den aufgeregten Routinen des Kulturbetriebs. So eine Entdeckung ist die hinreißende, von der breiteren Medienöffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommene Ausstellung des großen Bühnenbildners, Regisseurs, Malers, Dichters Horst Sagert, die ihm Mark Lammert und Stefan Suschke in der Steppe Brandenburgs, im Schloss Neuhardenberg, ausgerichtet haben. Mit dem fast 80-jährigen Sagert ist ein großer Theaterkünstler wieder zu entdecken, ein Solitär jenseits aller Ideologien, dessen Bilder und Zeichnungen eine berückende Frische und verspielte Leichtigkeit ausstrahlen. Heute dürfte sein Name nur noch Kennern der Theatergeschichte ein Begriff sein, in der Theaterwelt war er seit den Sechzigerjahren, seit seinen Bühnenbildern für Bessons Inszenierungen und seiner „Urfaust“-Inszenierung am Deutschen Theater, eine legendäre Figur.

Peter Zadek bewunderte ihn als einen „der großen Bühnenbildner dieser Welt“. Für Einar Schleef war er „der größte Theaterkünstler, den die DDR hervorgebracht hat“. Peter Stein hat in den Siebzigerjahren vergeblich um Sagerts Mitarbeit an der Schaubühne geworben. Seit über zwanzig Jahren hat sich Sagert vom Theater und aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Die Ausstellung in Neuhardenberg nimmt ernst, dass er sich in den unterschiedlichsten Genres bewegte, sie zeigt Bühnenbildentwürfe, Collagen, Typoskripte, Gemälde, bearbeite, überzeichnete, beschriftete Polaroids, zarte, filigrane oder groteske Skulpturen aus Knochen, Federn, Schnüren, Fundstücken – ein surrealistischer Kosmos, der nur seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt. „Viele Stimmen sangen in meinem Munde“, schreibt Sagert in eines seiner Bilder.

Sagerts Welt Schloss Neuhardenberg bis 10.11., Di?–?So 10?–?19 Uhr

Horst Sagert Zwischenwelten Theater der Zeit, 128 Seiten, 24,50 Ђ

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