Theater

„Salome“ an der Komischen Oper

salome„Scheiße!“ hat ein Zuschauer bei der „Salome“-Premiere an der Komischen Oper gerufen. Was war so schlimm gewesen? Morenike Fadayomis sprödes Tremolieren in der Titelrolle oder Andreas Conrads komödiantischer Sprechgesang als Herodes? Das Orchester unter Leitung von Alexander Vedernikowv spielte ohne große Rücksicht auf Verluste und die Sänger volle Kanne. Nicht unbedingt subtil. Um Subtilität ging es ohnehin nicht. Ausgangspunkt der Inszenierung war wohl Einar Schleefs Urteil über das Stück: „Salome ist eine Sauerei“. Das dachte die Kritik bei der Uraufführung von Richard Strauss‘ Oper 1905 auch schon.

Thilo Reinhardt inszeniert sie, an sich nicht unvernünftig, als Komödie in einem Comicstrip-Senario. Salome als spätantike Madonna (der Popstar, nicht die Muttergottes), die nicht nur den Kopf des Propheten Jochanaan in der Silberschüssel serviert bekommen will, sondern seine politischen Überzeugungen gleich mit. Entsprechende politische Identifikationen im Che-Guevara-Stil sind natürlich Quatsch. Vor allem aber: Anstelle des „Tanzes der sieben Schleier“ – herausgelöst aus dem Kontext des Stückes ja einer von Richard Strauss‘ Greatest Hits – bekommt man im Bühnenbild von Paul Zoller eher so etwas wie die mithilfe der Drehbühne schnell und unübersichtlich herbeigezauberten sieben Schreckenskammern der Perversion geboten. Es sind blöde Ideen dabei, alberne und gut alberne. In einem der Bilder prügelt Salomes berüchtigt verruchte Mutter (Christiane Oertel) mit einem Holzhammer einer zur Priapusstatue mutierten Christusfigur mit aller Kraft auf die mächtige Erektion. Holzhammer-Regietheater.

Die Inszenierung will nichts anderes, als dem „Salome“-Komplex von Richard Strauss und Oscar Wilde, der ganzen überkommenen Salonperversität, richtig eins auf die Zwölf geben, sie möglicherweise sogar mit letzten Anstrengungen (Comic, Porno, Sportivität) überbieten. Das unterschätzt die Ironie und Perversität des Stoffes, wie er variantenreich in der „dekadenten“ Literatur und bildenden Kunst des späten 19. Jahrhunderts so große Mode war. Und das bedeutet dann eine leichtfertig vergebene Chance.

Text: Andreas Hahn

Foto: Monika Rittershaus

tip-Bewertung: Zwiespältig 

Salome Komische Oper, 29.4., 6., 17.5., 19.30 Uhr

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