Theater

Samuel Finzi über seinen Zweitjob als Werbeikone

Samuel_Finzitip: Wie geht es Ihnen, wenn Sie sich selbst als Werbefigur auf Plakaten und Fernsehspots sehen??

Samuel Finzi: Erstmal gucke ich gar nicht hin. Das bin ja nicht ich, das ist nur eine Rolle, die ich spiele. Neulich habe ich die Anzeige in einer Zeitschrift gesehen, da habe ich schnell weiter geblättert. Mir war am Anfang auch nicht klar, wie massiv diese Werbekampagne wird. Ich habe das Gefühl, dass viele meiner Schauspieler-Kollegen nicht wissen, wie sie das finden sollen. Ist das jemand, der sich verkauft hat? Auf der anderen Seite ist diese Werbung so unglaublich präsent, dass es dafür schon wieder Respekt gibt.

tip: Und, haben Sie sich verkauft? ?

Samuel Finzi: Ich sehe das locker. Vor zehn Jahren hätte ich mir darüber viel mehr Gedanken gemacht und das Angebot wahrscheinlich abgelehnt. Wenn George Clooney und John Malkovich heute in einem Werbespot für Kaffee auftreten, schadet ihnen das nicht. Die Zeiten, in denen Werbung verpönt war, sind vorbei. Ich habe mich nicht verändert, ich bin der gleiche gute oder schlechte Schauspieler wie davor. Diesen Spot zu drehen, war ein schauspielerischer Job wie der Auftritt in einem Fernsehfilm. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass die Arbeit in der Werbung besser bezahlt und weniger anstrengend ist. Am Ende sind es Fernsehbilder.

tip: Wurden Sie für den Werbespot gecastet??

Samuel Finzi: Ja, das war lustig. Weil der Text der Werbung streng geheim war, musste ich einen anderen Text sprechen, einen Monolog von Thomas Bernhard.

tip: Befürchten Sie, dass Theaterzuschauer, die Sie auf der Bühne sehen, plötzlich an diesen jungen Mann aus der Werbung denken??

Samuel Finzi: Ich glaube nicht, dass man das zusammenbringt. Was ich im Theater mache, ist schon etwas anderes. Außerdem: Ich zahle mein ganzes Leben lang Geld für Versicherungen. Ich wollte einfach einen Teil dieses Geldes zurückhaben.

Interview: Peter Laudenbach

Foto: Harry Schnittger

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