Theater

Schauspieler Andreas Petri über „Richard III“

Richard_III_01_c_ShakespeareCompanyHerr Petri, bei der Shakespeare Company Berlin stehen Sie in Kürze als Oberschurke Richard III. auf der Open-Air-Bühne. Mordet es sich unbefangener unter freiem Himmel?
(lacht)Bestimmte religiöse Verbote werden ja oft dadurch umgegangen, dass man sich für den Verstoß in geschlossene Räume zurückzieht. Weil man denkt, dann sieht Gott es nicht. Aber Gott sieht natürlich alles! Unter freiem Himmel wohl erst recht. Insofern kann ich auch gleich ungeniert losmorden. Wenn schon, denn schon, oder?

Was ist der besondere Reiz am Sommertheater?
Open-Air-, Freiluft- oder Sommertheater ist ja ein Genre für sich. Der ausgebildete Staatsschauspieler hat dann Ferien, oder er dreht Serien, wenn er Glück hat. Die Sommertheater-Spieler sind dagegen meist Naturen, die viel tingeln, von Engagement zu Engagement ziehen. Fahrendes Volk eben. Das knüpft spürbar an die Tradition der Kunst des Mittelalters an, als man auf Marktplätzen ein paar Bretter aufgeschlagen hat. Dann ist das Volk zusammengelaufen, und man hat drauflos gespielt. Volkstheater im besten Sinne eben.

Welche Stücke funktionieren draußen?
Überwiegend natürlich heitere Stoffe, Komödien. Goldoni, Moliиre und Shakespeare sind die Klassiker fürs Open-Air-Theater, klar. Man muss draußen ein bisschen roher, derber und direkter sein. Ich würde keinen Ibsen oder Tschechow als Sommertheater machen. Mein erstes Stück unter freiem Himmel war „Der Drache“ von Jewgeni Schwarz, auch eine Komödie. Wir haben in Erlangen gespielt, wo jedes Jahr im Sommer eine Inszenierung im Hof des Stadtmuseums aufgezogen wurde. Vor einer imposanten Sandsteinfassade, eine tolle Kulisse. Unter anderem sind wir mit einem Auto auf die Bühne gefahren. Das geht natürlich auch nur draußen.

Richard III. zählt ja nicht unbedingt zu den Amüsier-Klassikern.
Ja, da werden oft die Augenbrauen hochgezogen: Oh, schwerer Stoff! Klar ist dieser Shakespeare eine Herausforderung, weil sich alles um Richard dreht. Entsprechend spiele ich das ganze Stück alleine, begleitet von einem Musiker. Ein Höllenritt, aber auch ein großer Spaß! Richard ist ja der böse Clown. Der spricht die Leute direkt an, erklärt, was er vorhat: Ihr werdet sehen, ich bin nicht sexy, aber smart! Da habe ich gerade im Freilufttheater jede Menge Möglichkeiten, die Zuschauer anzuspielen und mit ihnen zu schäkern.

Was sind die Herausforderungen beim Spiel unter freiem Himmel?
Man muss mit der Stimme Volldampf geben. Man hat ja keine Wände, die den Schall zurückwerfen. Es sei denn, man spielt in einem Amphitheater klassischer Bauweise. Aber das ist selten der Fall. Ich bin generell kein Freund von Mikroports. Das verfälscht die eigentliche Stimmung. Man hört die Vögel zwitschern, der Wind rauscht durch die Blätter – das gehört alles zur Atmosphäre. Da nimmt man es auch in Kauf, dass mal ein Halbsatz verweht. So erlebe ich das jedenfalls bei unseren Auftritten mit der Shakespeare Company im Schöneberger Südgelände.

Was kann schiefgehen?
Natürlich kann einem das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen. Ich habe letztes Jahr in einer Übernahme der Shakespeare Company gespielt, „Die Zähmung der Widerspenstigen“. Bei einer Vorstellung fing es so heftig zu regnen an, dass wir das nicht mehr ignorieren oder einbauen konnten. Also mussten wir die Leute auf eine nächste Vorstellung vertrösten. Schon schade. Mittlerweile ziehen wir in solchen Fällen einfach in die Lokhalle auf dem Gelände um.

Wie sieht denn Ihre ideale Vorstellung für Theater im Freien aus?
20 Grad Außentemperatur, dann komme ich nicht so schnell ins Schwitzen. Keine zu hohe Luftfeuchtigkeit, dann trockne ich auch wieder. Und natürlich voll besetzte Ränge. Das sind die idealen Rahmenbedingungen.

Interview: Patrick Wildermann

Foto: Shakespeare Company

Shakespeare Company Berlin Natur-Park Schöneberger Südgelände, Prellerweg 35, ­Schöneberg, Karten-Tel. 21 75 30 35,
www.shakespeare-company.de

Programm:
Die Zähmung der Widerspenstigen: 17.–20.7., 20 Uhr (Sa 19 Uhr); Romeo
und Julia: 24.–27.7., 20 Uhr (Sa 19 Uhr); Richard III: 31.7., 20 Uhr
(Premiere), weitere Vorstellungen im August

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