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Oper

Schlachtfest in Grau: „Elektra“ an der Staatsoper

Die Staatsoper präsentiert mit „Elektra“ die letzte Arbeit des großen Patrice Chéreau

Foto: Monika Rittershaus

Der „beste Opernregisseur der Welt“ sei Patrice Chéreau, sagt Intendant Jürgen Flimm. Na dann. Gespickt mit Weggefährten und alten Granden – darunter sogar Donald McIntyre (Wotan im „Jahrhundertring“ 1976) in einer Kleinstrolle –, gibt sich die letzte Inszenierung des 2013 verstorbenen Chéreau ebenso schlicht wie raffiniert. Eine stumme Pantomime des rituellen Stufenfegens und Besprengens indiziert die Herkunft der Strauss-Oper aus Hofmannsthals (schon vorher existierendem) Drama. Mägde und Dienerinnen bilden einen Überwachungsstaat im Staat. Um die Differenz zur antiken Tragödie anzuzeigen, vergurgelt und verröchelt Klytaimnestra (königlich:
Waltraud Meier) ihr Leben auf offener Bühne – statt dahinter. Es sind sinnfällige Kniffe, gerade weil sie kaum auffallen innerhalb einer Aufführung, die schiefergrau in grau, fast konventionell daherkommt.
Evelyn Herlitzius in der Titelrolle – eine verwahrloste Rebellin im Sport-Schlabber – singt Töne wie Schwertstreiche (oder wie Ohrfeigen): eine Kampf-Lolita, die zum Gegenangriff übergegangen ist. Jede „Elektra“, auch diese, ist ein vokales Schlachtfest; hier mit Adrianne Pieczonka (Chrysothemis) und Michael Volle (Orest) als Blutzeugen. Daniel Barenboim schärft die orchestralen Messer differenziert, sodass sich, wie in einem zersplitterten Spiegel, die umgebenden Strauss-Werke („Rosenkavalier“, „Ariadne“ und „Salome“) prismatisch zeigen. Erstaunlich! Als Hommage an einen überragenden Regisseur: von eher einschüchternder Imposanz.

Staatsoper Fr 4.11., 19.30 Uhr, Eintritt 35–105 €

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