Theater

„Schweizgenössisch“ im Radialsystem

Eliana-BurkiManchmal sieht man Musikern an, ob sie eher Harfe, Schlagzeug oder Bratsche spielen. Bei Eliana Burki würden die meisten daneben tippen. Mit blonder Mähne und graziler Statur sieht die 27-Jährige aus wie eine Popsängerin. Doch ihr Instrument ist seit Kindertagen das Alphorn. Bei ihrer Band iAlpinisti steht die lange Holzröhre im Zentrum einer Jazzrockbesetzung. Überraschend wendig klingt das Instrument dank einer Spezialanfertigung, die die Schweizerin eigens entwickelt hat und nun liebevoll „Burkihorn“ nennt. Noch gilt das urige Instrument innerhalb der neuen Alpenmusikszene um Jodel-Neutöner wie Erika Stucky oder Noldi Alder als Kuriosum, selbst in der Schweiz. Dies zu ändern, hat sich Eliana Burki zur Mission gemacht. Und so hüllen sie und die iAlpinisti das Traditionsinstrument in betont popselige Klänge: funk­infiziert, lateinamerikanisch groovend, bluesgefärbt. Burki und ihre Band machen den Auftakt des kleinen Musik-, Film- und Theaterfestivals „Schweizgenössisch“ im Radialsystem. Das Festival richtet zum vierten Mal den Fokus auf ausgewählte Freigeister aus dem Alpenland. Eingeladen sind ins Radialsystem auch Gattungsgrenzgänger wie Jürg Halter. Bei seinem neuen Projekt „Schule der Unruhe“ verkuppelt der Slampoet seinen lakonischen Sprechgesang mit einem Jazztrio aus Gitarre, Schlagzeug und Piano. Auch die Compagnie Drift, langjährige Kraft in Zürichs Theaterszene, tanzt stilistisch zwischen den Stühlen. Die Truppe rückt bei ihrem Berlin-Gastspiel faszinierende, selbst erfundene Instrumente und Musikautomaten ins Rampenlicht, von der „Muhdosen“-Orgel bis zur Zufallsmusik, die sich ergibt, wenn Menschen über einen am Boden befestigten Tonabnehmer rollen.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Matthias Heyde

Schweizgenössisch Radialsystem, Fr 29.7.–Di 2.8., Karten-Tel. 288 788 588

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