Kommentar

„Sehnsucht“ von Peter Laudenbach

Mit 66 Jahren da fängt das ­Leben an, dachte sich Ulrich Khuon (66), offenbar ein optimistischer Mensch. Also verlängerte er ­seinen Vertrag als Intendant des Deutschen Theaters „erstmal“ bis ins Jahr 2022; dann ist er 70 und seit 13 Jahren Intendant am DT. Dass er dort Theatergeschichte geschrieben hätte, würde Khuon, ein freundlicher Mensch, ver­mutlich nicht einmal selbst behaupten.

Peter Laudenbach

Aber er hatte halt, wie wir einem Interview entnehmen können, „Sehnsucht“ danach, weiter zu machen, und außerdem das Gefühl, er könne „der Gruppe“ (so nennt er seine Mitarbeiter) noch nützlich sein. Na dann.
Dass Frank Castorf (65) zeitgleich mit dem Argument (und es war so ziemlich das einzige Argument), irgendwann sei halt mal Schluss, aus dem Intendanz-Büro der Volksbühne entfernt wurde, ist nicht Khuons Schuld, aber zu­mindest ein interessanter Kontrast. Kultursenator Lederer wollte dem netten Herrn Khuon keinen Wunsch abschlagen, auch nicht den, einfach noch etwas zu ­bleiben.
Schön wäre natürlich, wenn im Gegenzug auch der DT-Intendant dem Kultursenator zumindest einen bescheidenen Wunsch erfüllen könnte. Zum Beispiel, indem er bei dem im Koalitionsvertrag festgehaltenen Ziel der Landesregierung, die Gehälter der Intendanten öffentlich zu machen, mit gutem Beispiel und ohne falsche Bescheidenheit voranginge. Dann wüsste man zumindest, was für die „Sehnsucht“ und den Dienst an der „Gruppe“ so bezahlt wird.

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