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Selten gespielt: „Peter Grimes“ an der Deutschen Oper

PeterGrimes_c_MarcusLieberenzBenjamin Brittens Hauptwerk „Peter Grimes“ war ein Wunschstück von Chefdirigent Donald Runnicles. Merkwürdig, dass der Kahn ausgerechnet durch ihn auf Grund läuft. Das Rätselstück gilt als dankbar und wurde in Berlin oft gespielt. Das Libretto lässt offen, was ein angeklagter Fischer seinen beiden toten Lehrjungen angetan hat. Dieses Enigma in einem nur scheinbar reißerischen Stoff kommt dem eher hemdsärmeligen Temperament Runnicles’ offenbar wenig entgegen. Er dirigiert geheimnisfrei, mechanisch und zu laut. Es fehlt an Understatement.

Dem „Britpop“ wird Regisseur David Alden zugerechnet. Geboren in den USA, war er einst Hausregisseur an der Bayerischen Staatsoper (in der Ära von Peter Jonas). In seiner von der English National Opera eingekauften Produktion von 2009 pinselt er gewohnt plakativ. Aber weniger bunt. Ein variable Abraum aus Wellblech, Holz- und Lamellenwänden versteht „Peter Grimes“ als ein modernes Volksstück (Bühne: Paul Steinberg). Als eine Art britischen Horvath – oder britischen Janacek. Am Besten gelingt das im 1. Akt, wo der vermeintliche Kinderschänder Peter Grimes in den eigenen Boots-Tauen festhängt wie Laokoon zwischen den Schlangen. Da kippt das Volksstück hübsch in die Volkstragödie um. Well done.

Die sängerische Besetzung der Deutschen Oper ist – wie meist in letzter Zeit – unanfechtbar. Christopher Ventris in der Titelrolle, darstellerisch blass, reift vom jugendlichen Helden zum nöhligen Charaktertenor. Markus Brück (Balstrode) zeigt als einarmiger Provinz-Bonaparte das Gemüt eines Bullterriers. Eine seiner besten Rollen überhaupt. Und Michael Kaune (Ellen Orford), mit gediegener Naivität und ihrem Pfirsich-Sopran, gebührt als Belohnung mindestens ein goldener Fish-Pie. Sie ist die vielleicht erfreulichste Berliner Sängerin des vergangenen Jahrzehnts.
Die Annahme, dass man dies Werk nicht zuletzt wegen wieder zu Ansehen und Hausmacht gelangten Chors angesetzt hat, ist plausibel. Unter Leitung von William Spaulding kriegt er genug zu tun. Nur hat man den Aufwand offenbar unterschätzt. Es wackelt. Oder ist Runnicles einfach kein guter Chordirigent?!

Ein gutes Beispiel also für internationales Opern-Shopping: Eine verlässliche Produktion, deren Verpflanzung Schwächen ausgerechnet bei dem im Haus angebeteten Donald Runnicles offenbart. Ein Restrisiko muss schließlich auch immer bleiben! Die Vorstellung dauert mit insgesamt 3,5 Stunden (inklusive zwei Pausen) eindeutig zu lang. Runnicles lässt, musikalisch gesehen, die Katze zu früh und zu marktschreierisch aus dem Sack.     

Text: KLK
Foto: Marcus Liebernez
tip-Bewertung: Annehmbar

Peter Grimes: Termine
Deutsche Oper,
Di 5.2., Sa 9.2., Mi 13.2., Fr 15.2., jeweils 19.30 Uhr,
Karten-Tel. 34 38 43 43

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