Theater

„Semianyki“ im Tipi

semianykiAnarchie, Virtuosität und Komik ergeben beim St. Petersburger Teatr Licedei eine explosive Mischung. Die Clowns-Compagnie gastiert mit „Semianyki“ im Tipi – eine Familiengeschichte der rotzig-derberen Art, komplett pantomimisch erzählt, aber ohne die genreassoziierten Ausfälle Richtung possierliche Hampelei. Rote Nasen gibt’s zwar auch, aber die hat hier nur der Vater der Radau-Sippe, weil er Vollalkoholiker ist. Die hochschwangere Mutter frisst den eigenen Plagen den Apfel weg, die vier Kinder sägen allen an den Nerven und auch mal an Papa, wenn der im Suff weggedämmert ist. Willkommen in der Proletenhölle.

Aus diesem munteren Spiel mit Klischees resultieren teilweise fabelhaft komische, akrobatische Miniaturen. Wenn zum Beispiel Daddy, mit einem Besenstiel gekreuzigt, seinen Wodka zu kippen versucht. Der zweistündige Abend besteht aus einer mehr oder minder zügigen Abfolge solcher Nummern, und immer wieder – das sind die besten Momente – irrlichtert er dabei ins Surreale: albtraumhafte Verfolgungssequenzen mit dem Hackebeil in Slowmotion, Horror-Baby-Puppen, die ihr Haupt aus dem Klavier erheben.

Text: Patrick Wildermann

tip-Bewertung: Sehenswert

Semianyki
Tipi am Kanzleramt, bis 30.1., Di-Sa 20 Uhr, So 19 Uhr

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