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„Shabby schäbig“?? von Peter Laudenbach

Peter Laudenbach

Matthias Lilienthal hat es schon in seinen Jahren als HAU-Intendant verstanden, linke Parolen, brachiales Selbstmarketing und prekäre Arbeitsverhältnisse für die meisten HAU-Künstler nonchalant unter einen Hut zu bringen. Ehrlicherweise hat er sein HAU damals selbst ein „neoliberales Theater“ genannt, ein Zustand, der ihn offenbar nicht weiter störte. Die Strategie des obersten HAU-Kurators hat zumindest beim Selbstmarketing gut funktioniert: Seit dieser Spielzeit verdient Lilienthal als Intendant der gut subventionierten Münchner Kammerspiele ein schönes Gehalt. Als wollte er München beweisen, dass zum Performance-Bohei und den berühmten „Interventionen im urbanen Raum“ die Künstlerausbeutung gehört wie der Hoody zum Karriere-Hipster, setzt er weiter auf die bewährte Kombination aus Marketing, Revoluzzer-Attitüde und unbezahlten Künstlern. Wie jetzt bekannt wurde, erhielten die jungen Kreativen, die für die Kammerspiele zwei Dutzend Bretterbuden entwarfen und bauten, dafür weder eine Gage noch eine Aufwandsentschädigung noch Reisespesen. Dafür wurde dem Sponsor Ikea, ein Konzern, der bekanntlich kein moralisches Problem damit hatte, seine Billy-Regale von Zwangsarbeitern in DDR-Gefängnissen herstellen zu lassen, ausgiebig gedankt.
?Die in der Münchner Innenstadt herumstehenden Bretterbuden waren als Kommentar zu den hohen Münchner Mieten etwas albern – zumal die Stadt gleichzeitig tausende Flüchtlinge in Notunterkünften unterbringen musste. Aber der Name der Aktion war ehrlich: „Shabby Shabby Apartments“ – shabby wie schäbig.

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