Theater

Shakespeare Spiele am Deutschen Theater

Dimiter_Gotscheff_c_-ArnoDeclairBislang näherte sich der große Einzelgänger des deutschen Schauspielertheaters, Dimiter Gotscheff, den tragischen Stoffen Shakespeares am liebsten in Form von Heiner Müllers Bearbeitungen. Mit Müllers „Hamletmaschine“ verabschiedete er 2007 am Deutschen Theater noch einmal die Rolle der Intellektuellen beim großen europäischen Revolutions-Spiel, „im Rücken die Ruinen von Europa.“ Im selben Jahr ging Gotscheff mit Müllers „Anatomie Titus Fall of Rome“ einen geschichtsphilosophischen Schritt weiter und ließ die Dritte Welt als Terror in die Erste einbrechen – ein Kommentar auf Shakespeares früheste und blutigste Tragödie.

Jetzt, passend zum Spielzeitmotto des Deutschen Theaters „Macht Gewalt Demokratie“, arbeitet Dimiter Gotscheff an einer eigenen Version gleich mehrerer Shakespeare-Dramen, vor allem der „Rosenkriege“, unter dem Arbeitstitel „Shakespeare Spiele“. Dass sich Gotscheffs Interesse dabei vor allem auf die pathologischen Spiele der Macht und ihre Mechanismen konzentrieren wird, ist klar. Wie kaum ein anderer Regisseur versteht er das Theater als einen Ort, in dem Geschichte und Politik in ihren Groß-Dimensionen verhandelt werden, weit jenseits des subjektiven Befindlichkeits-Tellerrands vieler zeitgenössischer Theaterautoren. Gotscheffs politische Tragödien sind konzentriert und schnörkellos, ohne Angst vor großen Behauptungen, vor einem großen geschichtsphilosophischen Horizont „zwischen Eiszeit und Kommune“.

Hinter der poetischen Bezeichnung „Rosenkriege“, benannt nach den Familienwappen der konkurrierenden Parteien, dem Lancaster-Zweig der Plantagenets und der York-Familie, steckt bei Shakespeare wie in der englischen Geschichte eine generationenübergreifende Abfolge von Machtgier, Intrige, Mord, Hass und Terror. Auch in den anderen Königsdramen von Shakespeare tragen die individuellen Züge der englischen Herrscher den Mechanismus der Geschichte in sich: Das kalte Zahnrad der Politik, das bei Shakespeare hörbar knirscht. „Mit dem Messer in das Messer geht die Laufbahn“, bringt Heiner Müller diesen Mechanismus der Machtkämpfe in seiner „Macbeth“-Übersetzung auf die griffige Formel. Geschichte, das ist bei Shakespeare eine Kette von Gewalt und Grausamkeit. Auf seine bewährte Theaterfamilie kann sich Gotscheff auch bei den „Shakespeare Spielen“ verlassen: Auf Margit Bendokat, Samuel Finzi, Wolfram Koch und Almut Zilcher.

Foto: Arno Declair

Shakespeare Spiele
Deutsches Theater,
Premiere: 23. November,
Karten-Tel. 28 44 12 25

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