Theater

Shakespeares Welt

Dieses Buch ist eine Schatztruhe. Öffnet man sie, nehmen einen die Fundstücke mit auf eine Zeitreise in die Epoche William Shakespeares. Wir sehen einen Globus von 1592, eine Gelddose aus dem 16. Jahrhundert, ein 400 Jahre altes Kelchglas, einen Stich, der London um 1611 zeigt, die Grabskulptur einer Königin, Schwerter und Teile einer Rüstung, einen farbigen Stadtplan von Venedig, die Abbildung einer Goldschmiedwerkstatt, das Modell eines großen Segelschiffs. Wir wissen wenig über Shakespeares Leben, aber dank dieses wunderbaren, glänzend geschriebenen Buches können wir jetzt viel über seine Welt erfahren: Erschüttert von der Pest, in steter Angst vor dem Aufflackern des Bürgerkriegs, konfrontiert mit der Globalisierung des 16. Jahrhunderts, geprägt von Wunderglauben und politisch-religiösen Konflikten – eine gefährliche, brutale, bunte, lebensgierige Welt. Neil MacGregor, Direktor des British Museum, bekannt geworden durch seine „Geschichte der Welt in 100 Objekten“, taucht in seinem neuem Buch in „Shakespeares ruhelose Welt“ ein – eine detailreiche Zeitreise voller Überraschungen und Entdeckungen.

Wir erfahren, was das Publikum während einer Vorstellung in Shakespeares Globe Theatre gegessen hat (zum Beispiel Austern, Tintenfische, Muscheln und Schnecken) und dass in Shakespeares Kindheit die Pest ein Viertel der Einwohner seines Dorfes Stratford-upon-Avon dahinraffte – nur durch Zufall hat der kleine William die Epidemie überlebt. Wir lesen von krawallbereiten Lehrlingen, die ein Theater stürmen und zu Kleinholz machen, weil der Besitzer die Eintrittspreise erhöht hatte, wir lernen, dass Venedig seinen Ruf als besonders mondän-luxuriösen Ort auch seinen zahlreichen Bordellen verdankt. Ein Buch, fast so reich und schön wie Shakespeares Werk – selbst schuld, wer sich diese Pracht entgehen lässt.

Neil MacGregor: „Shakespeares ruhelose Welt“ C.H.Beck, 349 Seiten, 29,95 Ђ

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