Kommentar

„Shopping­center-Theater“ von Peter Laudenbach

Im altmodischen Pop-Theater (ein Überbleibsel aus den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts) oder im noch altmodischeren Besserwisser-Theater (ein Überbleibsel aus welchem Jahrhundert auch immer) werden gerne mal

Peter Laudenbach

Konsumwelten, Shopping-Mall-Dekorationen oder, im fürchterlichsten Fall, nackte Schaufensterpuppen auf die Bühne gestellt. Je anklagender das gemeint ist, („Ihr miesen Konsum-Schweine!“), desto lächerlicher ist es in der Regel.
Die unfreiwillige Komik dieser Form der Kapitalismuskritik liegt unter anderem darin, dass die Warenwelt-Inszenierungen der real existierenden Marktwirtschaft das entschieden raffiniertere und elegantere Theater mit den deutlich reizvolleren Bühnenbildern und Schaureizen liefert.
Dass auf die Konstruktion der Einkaufserlebnis-Angebote mehr Intelligenz und Professionalität investiert wird, als in jede total systemkritische Volker-Lösch-Inszenierung, erfährt man im so unterhaltsamen wie kenntnisreichen Einkaufsratgeber der Wirtschaftsjournalisten Journalisten Thomas Ramge und Marcus Rohwetter, der gerade als Rowohlt-Taschenbuch erschienen ist.  Schon der heitere Titel demonstriert, wie die Schmierenkomödie der Kaufanreize funktioniert: „Nimm 2, zahl 3“.

Nimm 2, zahl 3 von Thomas Ramge und Marcus Rohwetter, Rowohlt Verlag, 256 S., 12,99 €

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