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„Sissi“ im Admiralspalast

tip Sissi ist nach wie ein Mythos. Welche Bedeutung hat er für Dich und Deine Inszenierung?
Zsolt Mesko Sissi ist ein Symbol für einen Lebensentwurf, der sich aus Leidenschaft, Träumen und unerreichbaren Zielen zusammensetzt. Eine latente Traurigkeit ist ihr stetiger Begleiter. In unserem Stück ist sie kein einfaches Abziehbild wie in den Filmen mit Romy Schneider. Unsere Sissi ist näher dran an den Frauen des 21. Jahrhunderts und ihrer komplexen Gefühlswelt und nicht an dem Image der 50er-Jahre-Filme: „schöne Mädchen“ (Im Original Deutsch).

tip Eine opulente Show klingt nach Show und großen Gefühlen …
Zsolt Mesko Unsere Sissi ist in dem Sinne romantisch, dass ihre Träume und Hoffnungen gegen die gesellschaftlichen Konventionen im Kontrast stehen. Wir greifen den Mythos auf, dass sie sich in ungarischen Premierminister verliebte, einen ehemaligen Husaren, der einer Roma-Familie entstammt.  Insofern ist die Geschichte in der Tat ein Märchen und kein Abbild verbriefter Wirklichkeit.

tip Die Geschichte wird non-verbal erzählt.
Zsolt Mesko Genau. Die Geschichte kommt ohne Worte aus. Über den Tanz lassen sich die wichtigsten Gefühle perfekt ausdrücken. Die Choreografie und die Musik stemmen die Narration allein. Die Musik basiert übrigens auf Strauss’schen Melodien und traditionellen Liedern der Sinti und Roma.

tip Die Compagnie Experidance hat sich seit vielen Jahren den alten ungarischen Tänzen verschrieben. Das klingt ja erst einmal etwas angestaubt.
Zsolt Mesko Es klingt nur so! Experidance lebt davon, mit ungarischen Tänzen zu arbeiten. Diese Tänze waren über Jahrhunderte Teil der von Hochzeiten anderer Feierlichkeiten. Jedoch wollen wir nicht einfach museal oder folkloristisch damit arbeiten, sondern das choreografische Erbe in eine Geschichte einbetten und damit einerseits die Schönheit der Tänze illustrieren, aber gleichzeitig die Choreografien weiterdenken. Kunst sollte nicht stehen bleiben, sondern stets in aktuelle Zusammenhänge übersetzt werden.

tip Was bedeutet, dass Kunst nicht im luftleeren Raum stattfindet. Wenn wir über das kulturelle Erbe Ungarns sprechen, stellt sich automatisch die Frage nach der aktuellen Situation der Flüchtlinge.
Zsolt Mesko Ich kann mir vorstellen, wie diese Bilder wirken. Die ungarische Regierung hat Fehler begangen. Aber wie so oft muss zwischen Regierung und Bevölkerung unterschieden werden. Ich versuche es mit einer Allegorie aus meiner Sicht als Künstler: Wenn jemand Brot braucht, gebe ich ihm Brot. Das bedeutet: Egal, welchen Pass er hat oder wo er herkommt. Wir sind in erster Linie Menschen und nicht nur Inhaber von Pässen oder Staatsangehörigkeiten.

Interview: Ronald Klein

Foto: Promo

Sissi im Admiralspalast Berlin, Friedrichstr. 101-102, Mitte, 15.-17.10., 19.00 

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