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Politisches Theater

„Skelett eines Elefanten in der Wüste“ am Gorki

Ayham Majid Aghas „Skelett eines Elefanten in der Wüste“ ist eine gespenstische Kombination aus extremer Gewalt und Alltagsroutinen

Foto: Esra Rotthoff

Wie erzählt man vom Krieg? Der syrische Autor und Regisseur Ayham Majid Agha entscheidet sich am Gorki Studio in seinem Stück „Skelett eines Elefanten in der Wüste“ für knappe, dichte Textsplitter. Es sind Momentaufnahmen eines Landes, in dem das Töten und das Getötetwerden, die von Bomben zerstörten Städte und die leeren Straßen, die man nicht überqueren kann, weil Scharfschützen jeden Passanten erschießen, Alltag sind. Die Tonlage: Nüchtern, lakonisch, manchmal verwundert über die absurden Situationen des Überlebens zwischen Trümmern und darüber, was sie mit den Menschen machen. Der Schrecken hält schon so lange an, dass die Gesten der Empörung aufgebraucht sind. Der Abend beginnt mit einem Gang in die Finsternis. Die Zuschauer bewegen sich durch ­schmale, dunkle Gänge; nach einiger Zeit hören sie den ersten Bericht eines Mordes, dem viele weitere folgen werden: „Ich habe den blinden Wunsch zu töten. Meine Freundin war die letzte, die ich tötete. Wir hatten einen langen Streit, unsere Stimmen wurden immer lauter.“ Nach dem Mord schreibt der Mann seiner toten Freundin einen langen Brief, in dem er sich „für die letzten Ereignisse“ entschuldigt. Bevor er die gemeinsame Wohnung für immer verlässt, schreibt er eine Notiz für die Nachbarn, die Stromrechnung sei bezahlt.
Die gespenstische Kombination aus extremer Gewalt und Alltagsroutinen prägt den weiteren Abend. Erst nach diesem Prolog betritt man den Aufführungsort, die Bühne: ein langer, schmaler Gang zwischen zwei Zuschauertribünen. Die szenischen Aktionen der vier Darsteller (neben Lea Draeger und Thomas Wodianka zwei Schauspieler des von Ayham Majid Agha geleiteten Exil-Ensembles Geflüchteter, Maryam Abu Kahled und Mazen Aljubbeh) beschränken sich auf knappe Ge­sten. Ein Seil wird durch den Raum gezogen, um alles festzuhalten; es werden Fotos gemacht, Laserpointer suchen nach Zielen für Scharfschützen, aber eigentlich soll möglichst wenig vom Text und den Bildern, die er im Kopf erzeugt, ablenken.

Gorki Studio Am Festungsgraben 2, Mitte Fr 20.10., Sa 21.10., 20.30., Eintritt 16, erm. 8 €

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