Theater

„Sklaven“ in den DT-Kammerspielen

Sklaven_c_ArnoDeclair.„Aus der Hölle der bürgerlichen Freiheit“ erzählen laut Untertitel die fünf Courteline-Einakter, die Andreas Kriegenburg in den Kammerspielen des Deutschen Theaters aneinandergereiht hat. Die Hölle ist ein von Kriegenburg erdachter goldglänzender Kunstraum mit schnieker roter Streetart-Graffiti an der Wand, vor der Tür stapelt sich der Trash des wahren Lebens. In Courtelines Kurzstücken aus den Anfängen des vergangenen Jahrhunderts sagen sich Ehepaare wenig nette Dinge, belauern sich eifersüchtig oder feilschen um Geld für eine neue Lampe; im Mittelteil will ein fauler Beamter eine Gehaltserhöhung. Kriegenburg, das lässt sich vor allem dem Programmheft entnehmen, implantiert in die Petitessen das Drama des Distinktionsdrucks: Jeder sein eigener Ego-Booster, das also ist die Hölle, für die vor allem Kostümbildnerin Andrea Schaad zuständig ist.

Sie hat den Unterscheidungsdrang der sieben Infernobürger in schrille Morphsuits unterschiedlichster Farben, Streifen, Punkte, Rüschen, Pos und Brüste gezwängt, die mehr als nur inspiriert sind von den extravaganten Outfits des australischen Performance-Künstlers Leigh Bowery, die bis Anfang Februar in einer Ausstellung in Wien zu sehen waren. Sie machen Hans Löw, Jörg Pose, Natalia Belitski, Natali Seelig, Olivia Gräser, Daniel Hoevels und Elias Arens zu ununterscheidbaren Zombies, die sich in gleichbleibend hysterischer Stimmlage 150 Minuten slapstickhaft überbrüllen. Von den Bürgern im Deutschen Theater nahmen sich nicht wenige in der Pause die Freiheit, die Hölle der unlustigen Dauerbelustigung zu verlassen.

Text: Barbara Burckhardt

Foto: Arno Declair

Sklaven DT-Kammerspiele, Do 18.4., 19.30 Uhr, Sa 20.4., 20 Uhr, Karten-Tel. 28 44 12 21 

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