Theater

„Soll mir lieber Goya …“ in der Schaubühne

GoyaDenSchlafRaubenWenn schon Konsumkritik, dann richtig. Beim Festival Internationale Neue Dramatik an der Schaubühne hat er jetzt erstmals mit einem deutschen Schauspieler gearbeitet: Der Exzess-Routinier Lars Eidinger kämpft sich munter durch einen Monolog, dessen Titel mehr verspricht als die Aufführung halten kann: „Soll mir lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein anderes Arschloch.“ Hossa! Der Performer kommt aus einem neckisch mit unzähligen kleinen Spiegeln beklebten Mercedes, der funkelt wie eine Discokugel. Und genau das gibt’s dann auch zum Aufwärmen: Minimaltechno-Disco, Stroboskoplicht und Nebelmaschine. Alles klar, hier soll jetzt also die Post abgehen. Aber dann geht nur das Theater los. Mit 2?000 Euro, „die Ersparnisse meines ganzen Lebens“, will sich unser Held so richtig vergnügen. Mit seinen beiden kleinen Kindern geht’s im Billigflieger nach Madrid, unterwegs wird ordentlich Wodka gekippt, als Alleinunterhalter hat er Peter Slo­terdijk engagiert. Der steckt dann in einem alten Sack und brabbelt vor sich hin. Möglicherweise hält ihn der Regisseur ja auch für einen alten Sack. Ziel der Exkursion: Nachts im Prado einbrechen und die ganze Nacht Goya-Gemälde betrachten. Leider kommt das bei allen Heftigkeits-Behauptungen nicht über ein routiniertes Gewitzel hi­naus, das Eidinger souverän bedient. Ein Abend wie eine ungesunde Party, die sich nach etwa zehn Minuten eher schal anfühlt und unmittelbar nach Verlassen des Lokals rückstandslos vergessen ist.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Heiko Schäfer

tip-Bewertung: Zwiespältig

Soll mir lieber Goya … Schaubühne, 24.–27.3., 20 Uhr

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