Theater

Staatsoper für alle 2009

Staatsoper_fuer_alle_auf_dem_BebelplatzDiesmal wird’s lang. Mit etwas Glück dürften sogar schon ein paar Sterne am nachtblauen Berliner Himmel funkeln, wenn Wagner-Diva Waltraud Meier nach gut viereinhalb Stunden „Tristan und Isolde“ ihren Liebestod stirbt. Im dritten Jahr von „Staatsoper für alle“ ist Chefdirigent Daniel Barenboim bei Wagner angelangt: Harry Kupfers lakonische Inszenierung der todtraurig-schönen Liebesgeschichte soll am 29. August über die Großleinwand auf dem Bebelplatz flimmern.

Im Rekordtempo ist die Public- Viewing-Initiative der Staatsoper zum Kultereignis geworden – wohl auch, weil das Gratisangebot mit den großen Namen der Klassikszene lockt: Schon bei der ersten Runde im Mai 2007 bekamen die Umsonstgucker Superstar Anna Netrebko zu sehen, und diesmal sind neben Barenboim und Meier Wagner-Recken erster Klasse wie Renй Pape und Robert Gambill am Start. Kein Wunder, dass im vergangenen Jahr mehr als 45.000 Besucher das Angebot für ein ausgedehntes Klassik-Pick-nick nutzten und zu dem Eröffnungswochenende strömten, das neben der Live-Übertragung der Spielzeiteröffnung auch noch ein Sinfoniekonzert am Sonntagnachmittag umfasst.

Für den Open-Air-Auftritt mit seiner Staatskapelle hat sich Barenboim sinnigerweise die andere große Liebestragödie des Abendlandes ausgesucht: Tschaikowskys sinfonische Dichtung „Romeo und Julia“, die auf dem Bebelplatz durch die schmissige fünfte Sinfonie ergänzt wird. Im nächsten Jahr findet die Sause übrigens zum Spielzeitende im Juni statt, bevor die Staatsoper sanierungshalber ins Schillertheater umzieht. Ob und wie es dann weitergeht, weiß noch keiner. Vermutlich haben sie Unter den Linden derzeit auch dringendere Probleme.

Text: Jörg Königsdorf
Foto: Till Leeser

Staatsoper für alle
Bebelplatz, Mitte, Sa 29.8., 17 Uhr, So 30.8., 16 Uhr, Eintritt frei

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