Theater

Stefan Neugebauer über „Spiels noch mal, Sam“

st.neugeb.probeSie inszenierten zuletzt Beethoven und Mozart. Welcher Impuls führte Sie zu Woody Allen?
Die Schwimmhalle ist bitter kalt im Winter, der blaue Raum beheizbar, er sieht aus wie ein Loft und schon bin ich in New York und dann fällt einem auch gleich Woody Allen ein.
Nein, im ernst ich wollte gerne wieder mit dem Schauspieler Michael Schäfer ein Stück machen. 2009 spielte er bei uns mit großem Erfolg „Elling“. Und ich dachte sofort an ihn, als es darum ging, wer überhaupt die Rolle von Woody Allen in unserer Version übernehmen könnte, ohne das man versucht, Allen nachzuahmen.

Vor Woody Allens Filmerfolg gab es das gleichnamige Theaterstück. Basiert Ihre Inszenierung auf der Übersetzung dieses Textes?
Genau – seinerzeit hatte ja Woody Allen auch am Broadway die Hauptrolle von Allan Felix selbst gespielt.

Arbeiten Sie streng mit Textvorlagen oder gestalten Sie diese mit Freiräumen?
Nun, die Textvorlage ist kein Heiligtum, aber es ist schwer Allens Humor zu verbessern, andererseits ist das Stück manchmal sehr sprunghaft und da bietet es sich an, die eine oder andere Szene wegzulassen, um mehr Fluss ins Geschehen zu bringen.

Was reizt Sie an der Fabel des Stücks besonders?
Der unglaubliche Humor, der kein bisschen veraltet und zudem politisch völlig inkorrekt ist. Und was die Fabel betrifft – nun man wünscht sich ja auch manchmal jemanden, der einem sagt, wie das mit den Frauen funktioniert, besonders dann, wenn man gerade getrennt ist, so wie Allan in dem Stück. Aber je mehr Allan Bogart nacheifert, desto schlechter wird er. Erst als er zu sich selbst zurückfindet, wird er plötzlich sogar für die Frau seines besten Freundes attraktiv.

Im Film durchlebt Allan die Schlussszene aus „Casablanca“. Welche Filmschlussszene würde Sie persönlich reizen?
In der Reifeprüfung versucht Dustin Hoffman mit allen Mitteln die Zweckehe seiner Freundin zu verhindern. Er entführt sie aus der Kirche. Beide rennen zum Bus, setzen sich auf die Rückbank und sind sprachlos vor Glück. Das haut mich jedes Mal um, wenn ich es sehe.

Bei Woody Allen spielen die Settings seiner Filme eine wichtige Rolle. In den 70er-Jahren vor allem New York. Sehen Sie eine Parallele zwischen dem New York der 70er-Jahre und dem heutigen Berlin?
Auch wenn wir das Stück in New York belassen haben, drängen sich Parallelen auf. Lauter Neurotiker, jeder ist irgendwie Künstler, kaputte Paarbeziehungen, sexuelle Abenteuer werden beschworen und am Ende träumt doch wieder jeder von einer romantischen Liebe.

Wo befindet sich Ihr Berliner Lieblingsort?
Die Brücke vor dem Bode-Museum. Da habe ich meine romantischsten Augenblicke erlebt – ganz ohne Bogarts Hilfe.

Interview: Ronald Klein

Foto: Peter Ptassek

„Spiel’s noch mal, Sam“ 20./21./22. Februar jeweils um 20.00 Uhr im Stadtbad Steglitz

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