Theater

„Sun“ im Haus der Berliner Festspiele

Israelis hassen Richard Wagner. Darum entdecken ihn jetzt zahlreiche israelische Choreografen.
Hofesh Shechter, der Israeli mit Wohnsitz in London, hat sich in seinem Stück „Sun“ auf Wagner gestürzt und kreuzt dieser Superhero der Deutschen mit dem Totalitarismus der heutigen Massenkultur. Shechter zeichnet eine vertrauensselige Schafherde, unter der die Wölfe leichtes Spiel haben. Shechters Ensemble, das schon im vorletztjährigen Stehkonzert „Political Mother“ bei den Festspielen eine super Figur machte, tanzt die sich verlustierende Monarchie von vorgestern, und Shechter haut den scharfen Kontrast dazu: Blitzartig zeigt er auf Sträflinge, beleuchtet den von Dunkelmännern aus dem Weg geräumten Widerstand.
Shechter feiert den Kontrast von oben und unten in exquisiten Bildern und verlustiert sich am „Tannhäuser“, wie es Sasha Waltz im Schiller Theater nur zu wünschen gewesen wäre. Hofesh Shechter ist die „Rising Sun“ am Choreografenhorizont: wütend, subtil und kraftvoll genug, um wie eine Bombe einzuschlagen und Funken zu sprühen, die das Publikum in Feuer und Flamme versetzen.

Text: Arnd Wesemann

Foto: Gabriele Zucca

Sun
Haus der Berliner Festspiele, Schaperstraße 24,
­Wilmersdorf, Fr 04.+Sa 05.07., 20 Uhr, ?Karten-Tel. 25 48 91 00, berlinerfestspiele.de

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