Theater

„Süpermänner“ im Ballhaus Naunynstrasse

Suepermaenner_c_RebeccaSampsonSie war Schauspielerin im Maxim Gorki Theater, jetzt inszeniert sie am Ballhaus Naunynstrasse das Doku-Stück „Süpermänner“. In ihrer Inszenierung sprechen türkische Männer über sich selbst – und brechen so die stumpfen Medienklischees vom türkischen Mann. Zur Recherche traf die Regisseurin Kazim Erdogans türkische Vätergruppe „Aufbruch Neukölln“, aus deren Kreis sie drei Männer porträtierte. Bei ihren Interviews fragte sie nicht: „Bist du gut integriert?“ Sondern: „Was war das Schönste und das Schrecklichste, das dir je passiert ist?“ Am Anfang wollte sie diese Geschichten von Schauspielern spielen lassen. Dann entschied sich Üner, „die Deutungshoheit den Experten zurückzugeben“, also fünf türkische Laien auf die Bühne zu holen, die unter echtem Namen, aber kostümiert ihre Geschichten erzählen, zwischen Euphorie und Weltschmerz.

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Einen Plot gibt es nicht, „Süpermänner“ bleibt fragmentarisch. Zwei Profi-Schauspieler umrahmen das Erzählte szenisch. „Ich brauche diese Ebene, um aufzulockern“, sagt Üner, „denn die Geschichten sind starker Tobak.“ Prügelnde Väter. Ein Mann, der ins Gefängnis muss. Söhne, die in eine Sekte abgleiten. „Wir beschönigen nichts, wenn jemand zur Waffe greift“, sagt Üner, „aber wir erzählen den Weg, der zu diesem Punkt geführt hat.“

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Rebecca Sampson

Termine: Ballhaus Naunynstraße, Karten-Tel. 75 45 37 25

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