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Theater-Installation

Susanne Kennedys „Women in Trouble“ an der Volksbühne

Leerlauf-Übung: Die zweifache Theatertreffen-Preisträgerin Susanne Kennedy stellt „Women in Trouble“ aus

Foto: Julian Röder

Die Regisseurin Susanne Kennedy wurde vor vier Jahren mit dem Verfahren bekannt, die Texte der Figuren entweder von den Darstellern oder von Laien einsprechen zu lassen. In der Aufführung wird der Text-Soundtrack dann aus dem Off eingespielt, die Darsteller bewegen sich dazu synchron. ­Diese Trennung zwischen Bild und Ton, ­Körper und Stimme stört jede Rollenidentifikation zuverlässig. Latexmasken sorgen für leblos glatte Gesichter und die Austauschbarkeit der Spieler, die Rollen wandern von Darsteller zu Darsteller. Altmodische Vorstellungen von Persönlichkeit, Subjekt, ­Charakter oder Identität werden in Kennedys Aufführungen entsorgt.

Das war in den beiden Inszenierungen, mit denen sie völlig zu Recht zum Theatertreffen eingeladen wurde, Fleißers „Fegefeuer in Ingolstadt“ und Fassbinders „Warum läuft Herr R. Amok“, von zwingender, logischer Konsequenz: Beide Vorlagen zeigen seltsam entleerte Menschen, die nur aus Phrasen, aus entfremdetem Bewusstsein, aus mechanisch reproduzierten Sprach- und Gedankenversatzstücken zu bestehen scheinen. Die Regie radikalisierte diesen Befund szenisch. Wird Kennedys ­Verfahren wie in ihrer Ruhrtriennale-Produktion „Orfeo“ vom verhandelten Stoff gelöst, verkümmert es zur effektorientierten Rätsel-Masche hart am Rand des edel-tristen Oberflächenkitsches. Mit diesem Leerlaufen ihrer Stilmittel, die auf nichts als auf sich selbst verweisen, sind Kennedys Regie-Möglichkeiten im Manierismus und ihre Kunst im Kunstgewerbe angekommen.

Um solch einen Fall handelt es sich auch bei ihrem Volksbühnen-Debüt „Women in Trouble“. Es ist zwei Monate nach Spielzeitbeginn und einer desaströsen Saisoneröffnung die erste halbwegs ernst zu nehmende Schauspielproduktion der Ära Dercon, eine stolze Leistung. Auf der großen, sehr langsam rotierenden Drehbühne ist ein Multifunktionsbau aus Esoterik-Paradies mit Wellness-Pool, Edel-Reha mit Computertomograhie-Röhre und Sterbeklinik in Pastelltönen und vollendet kalifornischer Happiness-Künstlichkeit errichtet. In gewohnter Manier ­werden Null-Sätze, Medikamenten-Beipackzettel, Filmdialoge oder aus dem Internet abgeschriebene Monologe abgespult (diesmal auf englisch) und von austauschbar gesichtslosen, menschlichen Schaufensterpuppen nachgestellt. Es geht um die Krebserkrankung einer Fernsehmoderatorin namens Angelina Dreem, also um den Einbruch der existentiellen Krise in eine irreale Wellness-Langeweile-Biografie, aber vor allem geht es um diesen Leerlauf, in dem nichts real ist, nicht einmal der Tod. Vermutlich ist das irgendwie kritisch gemeint, aber leider ist es so leer, egal und langweilig wie die vermeintlich kritisierten Zustände. Theater für Zeitgeist-­Roboter. Nebenbei bedient sich die Inszenierung bei Zitaten von Cassavetes und Pollesch, Beuys und Schlingensief, was möglicherweise als Referenz gemeint ist, aber an diesem Theater, zu diesem Zeitpunkt und in dieser belanglosen Inszenierung reichlich übergriffig und anmaßend wirkt.

Volksbühne Am Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte, Eintritt 12–40 €

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