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„Tabula rasa“ im Deutschen Theater

Als neckischen Untertitel ihres Versuchs, Carl Sternheims Komödie „Tabula rasa“ von 1916 am Deutschen Theater für die Gegenwart zu retten, wählten Tom Kühnel und Jürgen Kuttner den Werbeslogan „Gruppentanz und Klassenkampf“. Genauso bemüht witzelnd und kabarettorientiert ist ihre Inszenierung dann auch.
Sternheims Figuren, allen voran ein von Aktien, Wohlleben und Eigenheim samt Swimmingpool korrumpierter Gewerkschaftsfunktionär (gut gelaunt eindimensional: Felix Goeser) und sein etwas begriffsstutziger SPD-Kumpan (Michael Schweighöfer), machen vor, dass sich Sozialpartnerschaft lohnt. Zumindest für die Funktionäre, die ganz im Gegensatz zu den aufrechten Regie-Linksradikalen des Stadttheaters die Revolution verraten haben. Die Knallchargenhaftigkeit der Figuren entspricht der Subtilität der politischen Analyse.
Umstandslos verrührt der Linkshaber Kuttner die Kriegskredite der SPD 1914 mit der Agenda 2010 – alles eins, 100 Jahre SPD schrumpfen zur Kabarettnummer, Differenzierung kann da nur schaden. Zur Nostalgie- wie Pathosverstärkung singt ein Chor der Werktätigen in lustigen Bademänteln Liedgut der Arbeiterbewegung.   

Text: Peter Laudenbach

Foto:
Arno Declair

tip-Bewertung: Zwiespältig

Tabula rasa im Deutschen Theater, Do 25.9., Do 9.10., 20 Uhr, ?Karten-Tel. 28 44 12 25

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