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Tanz im August 2012 – Übersicht der Stücke – Teil 3

NoTimeToFlyNo Time To Fly (Deborah Hay, Austin)
„Strictly speaking I believe I’ve never been anywhere“, murmelt Deborah Hay mit dem Akzent der US-Südstaaten. Dieses Zitat von Samuel Beckett ist nur ein winziger Baustein in dem Palimpsest, das die Pionierin des Postmodern Dance in ihrem Solo »No Time to Fly« aus rhythmischen Geräuschen, gesungenen Phrasen und Lautmalereien entstehen lässt. 50 Minuten lang führt Hay eine Serie von Bewegungen durch, die gleichermaßen banal und seltsam anmuten. Obwohl es sich um einfache Schrittfolgen in unterschiedlichen Intensitätsgraden handelt, haben die Gesten etwas Suchendes, Rituelles. »No Time to Fly« folgt einer 18-seitigen Partitur, die Bewegung, Sprache und Klang als Rohmaterial verwendet. Eine sehr persönliche, hochkonzentrierte Arbeit, die die unterschiedlichsten Assoziationen weckt und dabei zugleich sinnlich und humorvoll ist.
24.+25.8 im HAU 2

GrindGrind (Jefta van Dinther, David Kiers, Minna Tiikkainen)
„Grind“ ist eine Herausforderung an die Sinne. Ein Raum, der plötzlich elastisch scheint; Töne, die den Körper zum Beben bringen; Licht, das Dunkelheit erzeugt – der Tänzer und Choreograf Jefta van Dinther, die Lichtdesignerin Minna Tiikkainen und der Sounddesigner David Kiers hebeln in ihrem Stück gängige Regeln der Wahrnehmung aus. Inspiriert werden sie dabei vom Phänomen der Synästhesie, bei dem unterschiedliche Sinnesbereiche miteinander kurzgeschlossen sind. Simple Elemente verwandeln sich in »Grind« in eine auf Hochtouren laufende Maschinerie. Körper, Licht und Klang verschmelzen zu einem fremden Amalgam, das mitreißt, verstört und bewegt.
24.+25.8. Podewil

XchoreographenX-Choreografen
Für die meisten Berliner führt die City West seit über 20 Jahren ein trauriges Schattendasein. Dabei kann die Gegend um den Bahnhof Zoo auch tänzerisch auf eine glorreiche Vergangenheit zurückblicken: 1926 hatte Josephine Baker ihren ersten Deutschland-Auftritt am Ku’damm, und 1989 fand dort die allererste Love-Parade statt. »X-Choreografen« untersucht den Mythos dieses lang vergessenen Bezirks, der gerade einmal wieder versucht, sich neu zu erfinden. 17 Nachwuchschoreografen, die alle in Berlin arbeiten, zum Großteil jedoch nicht hier geboren sind, richten in 15 Arbeiten ihren speziellen Blick auf die leeren Räume eines Areals zwischen Bauboom und Abrissbirne, das keinem von ihnen vertraut ist. Die Spannungsverhältnisse zwischen Innen und Außen, zwischen Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit machen das alte West-Berlin zur perfekten Experimentier- und Projektionsfläche.
22.-24.8. im Maison de France

IN PROGRESS-REIHE
Die Reihe „In Progress“ möchte auf Choreografen hinweisen, die gegenwärtig neue Projekte erarbeiten und diese in ihrem aktuellen Zustand zeigen und zur Diskussion stellen wollen. Diese Showings finden in einer Studioatmosphäre statt – weitgehend ohne Bühnenbild und Lichtdesign.
12., 21., 23., 25. im Podewil

Oh!DeepSeaOh! Deep Sea – Corpus III (Kat Valastur, Berlin / Athen)
„Oh! Deep Sea – Corpus III“, ein Stück für vier Performer, ist die vierte Episode eines Langzeitprojekts, das von Homers „Odyssee“ inspiriert ist. Hintergrund dieses Teils ist Odysseus’ Besuch des Totenreichs. Kat Vбlastur geht es dabei nicht um narrative Darstellung, sondern um das Aufspüren und Aufzeigen versteckter Archetypen.

This Piece Is Still To Come (Begüm Erciyas, Berlin/Hamburg)
„This piece is still to come« verweigert Schlussfolgerungen zugunsten von Wiederholung und Neuausrichtung. Jede Performance wird dokumentiert und bringt ein audio-visuelles »Erbe« in die nächste Wiederholung ein. Durch die Akkumulierung von Material ergibt sich eine Ausdünnung der Performance, durch die Dinge erscheinen, verschwinden oder ihre Form verändern können.

La Valeur Des Choses – Der Wert der Dinge (Jacques Poulin-Denis, Montrйal)
„Ein Zyniker ist ein Mensch, der von jedem Ding den Preis und von keinem den Wert kennt.“ (Oscar Wilde) Was sind die Dinge wert? Was liegt uns zutiefst am Herzen? Das Projekt versucht, eine Atmosphäre zu erzeugen, die zur Reflexion einlädt. Eine Einladung zur politischen Meinungsäußerung, getarnt als Fernseh-Unterhaltungsshow.

Chaos Theory – It’s A Mess (Emma Murray, Bern)
Emma denkt über Unordnung nach. Nach 10 Jahren in der Schweiz hat die neuseeländische Choreografin Emma Murray beschlossen, sich mit Möglichkeiten zur Systematisierung von Chaos zu beschäftigen. Sie versucht, Bewegung, ihre häufig zufälligen Impulse und unvorhersehbaren Ergebnisse, zu kategorisieren. Gleichzeitig entwickelt das Berner Duo KG & Morricone eine musikalische Partitur nach Ordnungsprinzipien. Eine Reflexion über die Verbindung zwischen Chaos und Kreativität.

Tanznacht Berlin 2012
2012 kooperiert Tanz im August zum ersten Mal mit der Tanznacht Berlin. Gemeinsam präsentieren die beiden Festivals vom 22. bis 24. August das ortsspezifische Projekt »X-Choreografen«, für das 17 Künstler den ehemaligen Berliner Westen rund um den Kurfürstendamm erforschen. Am 24. und 25. August wird das Solo »Grind« von Jefta van Dinther, Minna Tiikkainen und David Kiers im Podewil gezeigt: ein Angriff auf die Sinne, bei dem Tanz, Licht und Sound eine äußerst spannende Liaison eingehen. Am 25. August bespielen Andreas Müller und Bo Wiget, bekannt als »Beide Messies«, einen Bus-Shuttle, der die Besucher der Tanznacht von den Uferstudios zum Podewil bringt. Dort klingen beide Festivals mit einer gemeinsamen Abschlussparty aus. DJs sorgen für ein rauschendes Fest – hoffentlich in einer lauen Sommernacht!

25.8. in den Uferstudios

Fotos: Rino Pizzi, Ivo Hofstede, Thomas Bruns, Kat Valastur, Dominique Skoltz; Oliver Nuebert

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