Theater

Tanztage 2013 in den Sophiensaelen

tanztagen_c_Veronique_dupard_mandelEine feine Anwaltskanzlei gleich neben dem neuen Nobelhotel Waldorf Astoria am Zoo. Durch die hohen Scheiben deutet eine perfekt gekleidete Amerikanerin auf die künftige Shopping­mall „Bikini Berlin“. Sie selbst benimmt sich souverän auf jenem abgehobenen Lebensstil, den nun auch Berlin erreichen will. Kaum aber wenden wir den Blick von der Kapital­ruine wieder ab und drehen uns um zur Gastgeberin, da hat sie fast nichts mehr an, nur diesen verdammt knappen Bikini – und singt uns an. Dani Brown ist die verkörperte Verführung zum Kauf und zum Rausch. Sie war ein Höhepunkt im Tanzgetümmel des letzten Sommers. Jetzt ist sie der Höhepunkt bei den Tanztagen.

Dani Brown, man kann es nicht anders sagen, ist der Teufel in Person. Sie liebt das Risiko, es bildet die Essenz ihrer One-Woman-Kunst. Risiko heißt für die 32-Jährige, das Publikum zu verführen. Und das schafft sie. Auf Kampnagel in Hamburg brachte sie soeben ihre Soloshow  „How Do You Imagine The Devil?“ heraus. Der Teufel erscheint da leibhaftig in Gestalt dieser kleinen Frau, die aus einer kleinen Stadt am Ontario-See im Staat New York stammt, wo sich Gewaltkriminalität und Reichenprotz jeden Tag in die Augen schauen. Völlig offen, wer dort teuflischer agiert, die Betuchten oder die mit dem letzten Hemd am Leib.

Dani Brown malt ihn gar nicht erst an die Wand, sie verkörpert den Teufel, indem sie alle Spartengrenzen übertanzt, und dies mit einer unglaublichen Stimme, mit einer körperlich streng kontrollierten Exaltiertheit und mit einem Humor, der sich gelegentlich auch selbst die Blöße gibt. Am 12. und 13. Januar ist sie der Tanzteufel von Berlin. Davor eröffnet die Dänin Christine Borch am 4. Januar die von Peter Pleyer kuratierten Tanztage in den Sophiensaelen, danach begibt sich die Kompanie Witchtits auf die Suche nach dem Paradies und als revolutionäre Kraft tritt der mittlerweile bekannteste Geheimtipp aus Bulgarien auf: Willy Prager. Zudem sind jede Menge Gäste aus Israel und Polen dabei, die allesamt für ein teuflisch gutes Fest sorgen müssen, wollen sie Dani Brown auch nur halbwegs die Stirn bieten.

Text: Arnd Wesemann

Foto: Veronique Dupard Mandel

Tanztage Sophiensaele, 4.1.–14.1. Karten-Tel. 283 52 66, www.sophiensaele.com

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