Kommentar

„Tatort Schaubühne“ von Peter Laudenbach

Theater kann gefährlich werden. Dauernd liegen Leichen auf der Bühne herum. Nirgends stirbt es sich schöner als unter Bühnenscheinwerfern

Peter Laudenbach

Bei jeder Gelegenheit muss das Bühnenpersonal damit rechnen, im Dienst der Kunst oder auch nur des dekorativen Effekts erdolcht, erschossen, massakriert, vergiftet oder sonstwie gemeuchelt zu werden. Von den Fällen finaler Depression und suizidaler Auswege mal ganz zu schweigen. Da ist es praktisch, wenn man ermittlungserfahrene Polizisten im Haus hat. Die Schaubühne ist dank zweier Ensemblezugänge jetzt für Tötungsdelikte aller Art bestens vorbereitet: Mit Jörg Hartmann und Hans-Jochen Wagner hat Thomas Ostermeier zwei echte „Tatort“-Kommisare engagiert. Hartmann, der schon 1999 bis 2009 an der Schaubühne spielte, erwarb als depressiver Dortmunder Ermittler Peter Faber Fernseh-Ruhm. Hans-Jochen Wagner wird ab kommendem Jahr als Kommissar Friedemann Berg im neuen Schwarzwald-Tatort für öffentlich-rechtliche Abendunterhaltung und Vertrauen in den Rechtsstaat sorgen. Es sind nicht die ersten Schaubühnen-Darsteller, die den Satz „Wo waren Sie gestern zwischen 10 und 12“ fehlerfrei sprechen können: Mark Waschke, schon länger im Ensemble, darf als Berliner „Tatort“-Ermittler vorführen, dass auch TV-Beamten nichts Menschliches fremd ist. So lange wir keine gerichtsfesten Beweise haben, würden wir nie vermuten, dass die Quote als Tatmotiv für Engagements in Frage kommt.

Mehr über Cookies erfahren