Performance

„The Ocean is Closed“ im HAU

She She Pop und Zeitkratzer ­wissen im HAU: „The Ocean is Closed“

She She Pop

Das bewährte Performance-Kollektiv She She Pop hat sich für seine neue Produktion mit einer unserer Lieblingsformationen für neue und neueste und wagemutig experimentelle Musik, dem offenbar keinerlei Grenzen kennenden Ensemble Zeitkratzer, zusammengetan. In „The Ocean is Closed“ beobachten die Zeitkratzer-Musiker und die Performer einander über die eigenen Gattungszugehörigkeiten hinweg.

Was entsteht, sind faszinierte, vielleicht auch nur verwunderte oder ratlose Blicke auf die seltsamen Kollegen aus dem anderen Nachbar-Kunst-Kosmos: Was machen sie da eigentlich, was für Töne, Geräusche, Zeichen, Worte produzieren sie mit ihren Körpern und Instrumenten, und wie lassen sich diese fremden Zeichen und Botschaften lesen? Und gibt es überhaupt so etwas wie eine Botschaft?

„Fremde Augen und Ohren interessieren sich für andere Dinge, stellen die richtigen falschen Fragen, missverstehen die Absprachen und übertreten grundlegende Gesetze. She She Pop und Zeitkratzer spielen Konzert: Geheimnis, Ordnung und Ozean. Sie feiern die Musik und das Spiel an sich“, prophezeit und orakelt der Werbetext. Das gelungene Missverständnis zwischen den Genres, die gänzlich anderen Regeln des Spiels, werden mit etwas Glück zur höheren Kunst.

Für den nötigen Theorie-Hintergrund sorgt ein Klassiker der Kulturgeschichtsschreibung, der niederländische Kunsthistoriker Johan Huizinga mit seiner Theorie des Spiels als einer „freien Handlung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen in Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird.“ Das ist das schöne am sinnvoll-sinnfreien Spiel: Es hat sein Ziel in sich selbst, ist hat keinen anderen Zweck als sich selbst – und das ist vermutlich das beste, was einer Performance passieren kann.

HAU 1 Fr 27., Sa 28., Mo 30.10., 20 Uhr, So 29.10., 17 Uhr, Eintritt 16,50, erm. 11 €

Mehr über Cookies erfahren