Pop

„The Show must go on“ an der Volksbühne

Retro-Remake: Jérôme Bels „The Show must go on“ illustriert Beatles, Bowie und Nick Cave

Foto: Mussacchio Laniello

Was für ein gelungener, mutiger Start einer schwierigen Theaterintendanz! Jérôme Bels „The Show must go on“ ist Konzept-Tanz, der nicht Kopfweh, sondern Spaß macht. Die Aufführung ist Laientheater ohne Peinlichkeit, sie plündert schamlos Pop-Hits und hält dabei sophisticated die Balance zwischen Ironie und Partykeller. Wenn dann noch die Premiere beim Publikum sowohl heftige Buhrufe wie fröhliche Beifallsstürme auslöst, ist die Legendenbildung erstmal gesichert und der Wagemut des Intendaten aufs Schönste belohnt.

Ja, so war das, als Tom Stromberg im Jahr 2000 seine Intendanz am Deutschen Schauspielhaus Hamburg mit Jérôme Bels damals noch taufrischer Tanzversuchsanordnung „The Show must go on“ eröffnet hat. Auch die Berliner Gastspiele bei „Tanz im August“ vor gut anderthalb Jahrzehnten sorgten zuver­lässig für gute Laune.

Dass jetzt auch Chris Dercons Volksbühne mit kleiner Verspätung das Remake des Remakes entdeckt hat und ins Programm aufnimmt, zeugt weniger vom Wagemut als von der Hilflosigkeit der Intendanz, die ihr Heil im Einkauf gut abgegangener Hits sucht. Jérôme Bel war für die vollmundig als „Berlin-Premiere“ annoncierte Veranstaltung keinen Tag in Berlin und natürlich auch nicht bei der Premiere. Der smarte Choreograf ließ sich einen vermutlich nicht zu kleinen Scheck überreichen und schickte zum Anrichten des Aufgusses zwei Assistenten nach Berlin – Tanztheater im Franchise-System.

Das Konzept ist simpel, aber wirkungsvoll: Zwei Dutzend Laien illustrieren 19 aus dem Formatradio bekannte, mehr oder weniger erträgliche Pop-His der letzten Jahrzehnte. Zu „Come together“ von den Beatles kommen sie zusammen auf die Bühne. Zu „Let’s Dance“ von David Bowie machen sie zum Stichwort genau das: Sie tanzen im freundlich zappelnenden Disco-Stil. Wenn Nick Cave singt, er glaube zwar nicht an Engel, aber an Unarmungen, wird sich zu „into my arms“ innig umarmt. Das ist nett und harmlos und kommt etwa anderthalb Jahre zu spät, um noch größeres Interesse wecken zu können.

The Show must go on an der Volksbühne

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