Kommentar

„Theater des Jahres“ von Peter Laudenbach

Glaubt man der jährlichen Kritiker-Umfrage der Zeitschrift „Theater heute“, kann Berlin glatt als Theatermetropole durchgehen:

Peter Laudenbach

Gleich zwei Berliner Bühnen, das Maxim Gorki Theater und die Volksbühne, wurden von den 43 befragten Kritikern zum „Theater des Jahres“ gewählt – und wer wären wir, gegen diese salomonische Wahl etwas einzuwenden?
Beide Entscheidungen haben sicher auch politische Gründe: Beim Gorki das wache Bewusstsein dafür, dass Deutschland erfreulicherweise nicht mehr so deutsch ist; bei der Volksbühne die Wahrnehmung, dass mit Castorfs Rauswurf durch die desorientierte Berliner Kultur­politik eine singuläre Bühne zerstört wird.
Aber weder das Gorki­ noch die Volksbühne haben Gesinnungsbeifall nötig. Gewählt wurden sie für ihre sehr vitale Theaterkunst.
Schauspieler des Jahres sind zwei alte, bewunderte Berliner Bekannte: Carolin Peters (früher Volksbühne, jetzt Burgtheater, zwischendurch im Fernsehen – und immer umwerfend) und der gedankenscharfe Edgar Selge (einst als Gast am Gorki Theater, heute als Gast zum Beispiel in Hamburg und Stuttgart). Nachwuchsschauspieler ist Marcel Kohler, ein junger Mann aus dem Ensemble des Deutschen Theaters, dem zuzusehen ein Vergnügen ist.Mit so einer Bilanz fängt die Spielzeit gut an.

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