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„Theater­geschichte? live!“ von Peter Laudenbach

Peter Laudenbach

Theater ist vielleicht die Kunst des Augenblicks, aber nur Ignoranten wissen nicht, dass jeder Augenblick, der etwas bedeutet, seine Referenzen und Bezugssysteme hat. Wer Theater ohne das Wissen um die Echoräume der Theatergeschichte sieht, sieht und versteht weniger. Gegen historische Uninformiertheit hilft zuverlässig Günther Rühle. Heroisch und fast im Alleingang arbeitet er an einer Geschichte des modernen deutschen Theaters der letzten anderthalb Jahrhunderte.
Rühles Theatergeschichte ist analytisch präzise, glänzend, wenn auch etwas altmodisch geschrieben, und sie ist beneidenswert kenntnisreich: Der Mann weiß einfach alles. Der neue, voluminöse Band seiner Theatergeschichte behandelt die Jahre 1945 bis 1966. Es sind Jahre eines Neuanfangs und Jahre, in denen das Theater weit größere gesellschaftliche Bedeutung und Ausstrahlungkraft hatte als heute. Es geht in Rühles Buch wie im Theater dieser Jahre um große Abenteuer: Brecht gegen Gründgens, Kortner gegen die Dummheit auf der Bühne und den alten Reichskanzleistil – und Peter Weiss gegen die Mörder von Auschwitz und die schweigende Mehrheit der Deutschen.

Günther Rühle: ?Theater in Deutschland 1945–1966 Fischer Verlag, 1?520 Seiten, 46 Euro

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