Kommentar

„Theater hassen“ von Peter Laudenbach

Derzeit wird es wieder modisch,  eine gewisse Theaterverachtung zu kultivieren. Der Helene-Fischer-Bewunderer Jens Balzer demonstriert seine Ressentiments, indem er in der „Berliner Zeitung“ das Theater pauschal als „überkommene“ Kunstform beschimpft

Peter Laudenbach

Der weltberühmte Theater-Direktor Chris Dercon gibt zum besten, das gesamte deutsche Theater sei „regressiv“ und „nicht innovativ“. Offenbar geht der arme Mann immer in die falschen Vorstellungen. Ein tip-Abonnement könnte ihn als erste Orientierungshilfe vor solchen Enttäuschungen bewahren.
Wesentlich unterhaltsamer und kenntnisreicher ist der Hohn, den Jan Küveler in seinem Büchlein „Theater hassen“ (Tropen Verlag, 160 Seiten, 12 Euro) über die Bühnenkünste kippt. Küveler, Theaterkritiker der „Welt“, hasst das Theater, weil er das Theater liebt. Gerade weil es ihm so viel bedeutet, leidet er, wenn wieder mal postdramatisches Dirkursgeblubber für Langeweile sorgt, bedauernswerte Darsteller auf Textflächen ausrutschen oder Leute, die nicht einmal ihre Steuererklärung verstehen, einem den Kapitalismus und seine Probleme erklären wollen. Ein Theaterkritiker, der das Theater so hasst, kann zumindest kein schlechter Mensch sein. Küvelers Diagnose:  Das Theater nervt, „weil es einen Minderwertigkeitskomplex hat und gleichzeitig an Größenwahn leidet.“ Dagegen hilft nur: gutes Theater.

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