Spielstätten

Theater in Berlin: 12 Bühnen für jeden Geschmack

Theater in Berlin sind vielfältig. Keine andere Stadt in Deutschland hat mehr Bühnen. Es ist nicht leicht, dabei den Überblick zu behalten, von winzigen Hinterhoftheatern bis zu Häusern mit beachtlicher Geschichte und Weltrang ist die Schauspielstadt Berlin enorm abwechslungsreich. Es gibt so viele Theater in Berlin, dass wir sie hier nicht alle vorstellen können. 12 der wichtigsten Bühnen zeigen wir euch – und zwar so, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist.


Schaubühne

Die Schaubühne ist eines der beliebtesten Theater in Berlin. Wer hier Tickets will, muss schnell sein. Foto: Imago/Imagebroker
Die Schaubühne ist eines der beliebtesten Theater in Berlin. Wer hier Tickets will, muss schnell sein. Foto: Imago/Imagebroker

Der elegante Rundbau am Lehniner Platz, errichtet 1928 von Erich Mendelsohn, hat Kultur in allen Facetten erlebt. Bevor hier eines der wichtigsten Berliner Theater einzog, fand sich im Gebäudekomplex eines der größten Kinos in Berlin, nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Häuser als Tanzlokal und Musicalbühne genutzt. Zwischen 1979 und 1981 wurden hier Theatersäle errichtet, die noch immer zu den technisch ausgefeiltesten in Deutschland gehören.

Die Geschichte der Schaubühne begann jedoch nicht in Wilmersdorf, sondern am Halleschen Ufer und ist eng verknüpft mit dem Wirken von Peter Stein. Dessen (zumindest anfangs) auf Mitbestimmung ausgerichtetes Theater – politisch so ambitioniert, dass die CDU marxistisch-leninistische Workshops hinter dem Probenbetrieb vermutete – sorgte europaweit für Begeisterung. Botho Strauß als Autor sowie Schauspielgrößen wie Bruno Ganz, Jutta Lampe, Otto Sander und viele weitere gehörten zu Steins Team.

1985 begann der Rückzug Peter Steins, 1999 trat Thomas Ostermeier auf den Plan, der mittlerweile alleiniger künstlerischer Leiter ist – mit einem Konzept, das sich deutlich von der Ära Stein unterscheidet, aber gleichermaßen Beachtung erfährt. Politische Stücke von Falk Richter und Milo Rau, Ostermeiers Shakespeare-Inszenierungen, internationale Festivals und zeitgenössische Stücke aus UK und Frankreich prägen die Spielzeiten. Die Arbeiten am Haus werden mit Preisen überhäuft – und besonders für die vielen Inszenierungen mit Lars Eidinger in der Hauptrolle empfiehlt es sich, frühzeitig Karten zu buchen. Wenn dieser eine seiner Partys gibt, kann man es eigentlich gleich vergessen, da helfen nur Spontaneität oder Kontakte.

  • Schaubühne am Lehniner Platz Kurfürstendamm 153, Wilmersdorf, Tel. 030/89 00 23, www.schaubuehne.de

Berliner Ensemble

Als Berliner Ensemble wurde einst nur Brechts Theatergruppe bezeichnet, heute ist es der Name des Theaters. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Als Berliner Ensemble wurde einst nur Brechts Theatergruppe bezeichnet, heute ist es der Name des Theaters. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Wer Bertolt Brecht ausschließlich als Schullektüre kennt, hat vielleicht das Nachkriegsschaffen des Regisseurs nicht auf dem Schirm: Der Begründer des epischen Theaters baute in Berlin eine Theatergruppe auf, eine zentrale Rolle spielte dabei auch Helene Weigel, nach Brechts Tod selbst langjährige Intendantin.

Dieses Berliner Ensemble – anfangs ausschließlich als Name der Gruppe verwendet – trat im Theater am Schiffbauerdamm auf, gespielt wird dort noch heute. Das Berliner Ensemble, mittlerweile wird das Theater selbst so bezeichnet, hat viele Intendant:innen erlebt, darunter in einer chaotischen Phase so verschiedene Menschen wie Fritz Marquardt, Heiner Müller, Peter Zadek und Martin Wuttke, lange Jahre auch den legendären Claus Peymann als Leiter.

Legendär sind auch viele Stücke am BE: Heiner Müllers letzte Arbeit „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ nach Brecht hatte am 3. Juni 1995 Premiere, Martin Wuttke als Hauptdarsteller hat ein Vierteljahrhundert vor ausverkauftem Haus gespielt. Und die nicht minder legendäre „Dreigroschenoper“, erstmals 1928 im Theater am Schiffbauerdamm aufgeführt, wurde hier seit 2007 in einer umjubelten Robert-Wilson-Inszenierung mit Jürgen Holtz gegeben.

Zur Spielzeit 2017/18 trat Oliver Reese die Nachfolge von Peymann an, der ihn als „handzahmen Verwalter“ beschimpfte. Die Schlammschlacht ließ Reese, der zuvor dem Schauspiel Frankfurt ungeahnte Höhenflüge bescherte, ausfallen. Sein Berliner Ensemble ist auf zeitgenössische Dramatik ausgerichtet, ab und an steht aber auch noch Brecht auf dem Spielplan.


Volksbühne

Legendär: Das Räuberrad, Wahrzeichen der Volksbühne seit Castorfs Zeiten. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Das große Schlachtschiff Volksbühne hat schon bessere Zeiten gesehen. Und natürlich viel schlechtere. Das 1913 durch Spenden proletarischer Mitglieder finanzierte Haus wurde in den Jahren des Ersten Weltkriegs vom legendären Max Reinhardt geleitet, in den 1920er-Jahren arbeitete auch Erwin Piscator für das Haus – von dessen Reformbestrebungen war aber im Nationalsozialismus nicht mehr viel übrig. Die Volksbühne wurde völkisch.

Die wohl prägendste Zeit für das Haus begann aber erst 1992, als Frank Castorf seine Intendanz antrat und mit gewaltigen, manche sagen auch: strapaziösen Inszenierungen in langen Theaternächten Klassiker sezierte. Diplomatisch war Castorfs Stil sicher nicht, doch seine Zeit brachte Künstler:innen wie Sophie Rois, Christoph Marthaler, Christoph Schlingensief, Corinna Harfouch, René Pollesch und viele weitere hervor. 2017 endete die Ära Castorf, zeitweise verschwand sogar das ikonische Räuberrad, entworfen vom prägenden Bühnenbildner Bert Neumann, von der Wiese am Rosa-Luxemburg-Platz. Castorfs Nachfolger Chris Dercon konnte sich mit einem auf internationalen Festivalbetrieb ausgerichteten Konzept nicht halten, Interimsintendant Klaus Dörr blieb ebenfalls nur kurz im Amt.

Mit René Pollesch kehrt ein großer Teil des alten Volksbühnen-Teams ans Haus zurück, dabei aber deutlich diverser aufgestellt als unter Castorf, zudem viel weniger autoritär. Polleschs Stücke haben noch nie die Länge eines Kinofilms überschritten, sein postdramatisches Theater kennt sich in Theoriefragen mindestens so gut aus wie in Filmgeschichte und Slapstick. Daneben spuken im Haus noch immer die guten Geister der Nachwendezeit und der widerständigen Intelligenzija der späten DDR.


Deutsches Theater

Klassische Architektur, Klassiker auf der Bühne. Foto: Imago/Schöning

Das Deutsche Theater ist eines der ältesten Theater in Berlin, schon Mitte des 19. Jahrhunderts wurde hier erst seichtes Spaßprogramm, später vornehmlich klassikerlastiges und bildungsbürgerliches Theater gespielt. Der umtriebige Max Reinhardt prägte das Haus zu Beginn des 20. Jahrhunderts und ließ das Nachbargebäude zu den Kammerspielen ausbauen. Das Deutsche Theater erlebte viele bedeutende Inszenierungen: Brechts „Mutter Courage“ mit Helene Weigel in der Hauptrolle wurde hier aufgeführt, bevor das Berliner Ensemble an den Schiffbauerdamm zog. Und Benno Besson, zeitweise auch Volksbühnen-Intendant, ließ sich hier für Stücke wie „Der Frieden“ (Aristophanes, bearbeitet von Peter Hacks) 45 Minuten lang zujubeln.

Nach der Wende prägte zunächst Thomas Langhoff das Haus, nach ihm Bernd Wilms, der mit Regisseur:innen wie Barbara Frey, Dimiter Gotscheff, Jürgen Gosch und Michael Thalheimer neuen Glanz ins alte Haus brachte: Das DT wurde 2005 zum Theater des Jahres gewählt.

Aktueller Intendant ist Ulrich Khuon, mit Persönlichkeiten wie Ulrich Matthes, Constanze Becker, Samuel Finzi, und Nina Hoss. Zeitgenössische Arbeiten und Klassiker stehen gleichermaßen auf dem Spielplan, regelmäßig finden zudem Theaterfestivals statt, etwa „Radar Ost“ mit wichtigen Produktionen aus Osteuropa.


Schlosspark Theater

Das Schlosspark Theater ist unter Dieter Hallervorden zu einer wichtigen Bühne Berlins geworden. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Wenn man heute auf den Spielplan schaut, glaubt man kaum, was für eine atemberaubende Geschichte das Schlosspark Theater hinter sich hat. Samuel Beckett hat sein absurdes Meisterwerk „Warten auf Godot“ einst selbst dort inszeniert, Hildegard Knef stand hier auf der Bühne, Klaus Kinski ebenfalls. Nach der Wende sollte Musicalbetrieb die Wirtschaftlichkeit sicherstellen, doch nicht einmal der Stage-Konzern konnte das Haus retten.

Das hingegen gelang Dieter Hallervorden, durch dessen Werk wir hier führen. Der Palim-Palim-Nonsens-Komiker übernahm 2008 den Laden und sanierte ihn mit seinem Privatvermögen. Ganz skandalfrei ist auch das possierliche Spaßprogramm am Schlosspark Theater nicht, so wurde beim Stück „Ich bin nicht Rappaport“ die rassistische Praxis des Blackfacing auf die Bühne gebracht. Neben unterhaltsamen und berührenden Stücken stehen auch Lesungen, Kabarettabende und mit Intendantensohn Johannes Hallervorden auch die jüngere Generation auf dem Programm.


Renaissance-Theater

Heißt Renaissance-, ist aber ein Art-Déco-Theater – und das Programm ist vielseitig. Foto: Imago/Schöning

Zwischen den klassizistischen Häusern sticht dieses Theater in Berlin deutlich hervor: Das Renaissance-Theater ist das einzige erhaltene Art-Déco-Theater in Europa. Der Name führt jedoch in die Irre, denn mit Renaissance-Dichtung hat man hier ausgesprochen wenig am Hut. Architekt des Hauses ist Oskar Kaufmann, der auch die Volksbühne baute, aber um Berliner Architektur soll es hier nicht gehen.

Seit der Spielzeit 2020/21 leitet Guntbert Warns das Theater als Intendant, zuvor war er jahrelang festes Mitglied des Ensembles. Auf dem Programm stehen unterhaltsame Stücke wie die die Anti-Jugendwahn-Komödie „Ewig jung“ und Musicals wie „Hedwig and the Angry Inch“, aber auch Lesungen und Kabarettabende. Daneben ist das Charlottenburger Theater ein wichtiger Schauplatz der jährlichen jüdischen Kulturtage.


Maxim Gorki Theater

Das wichtigste Berliner Theater für die migrantische Community ist das Maxim Gorki. Foto: Imago/agefotostock
Das wichtigste Berliner Theater für die migrantische Community ist das Maxim Gorki. Foto: Imago/agefotostock

Berlins kleinstes Staatstheater fasst gerade einmal 440 Menschen, das Gebäude wird aufgrund seiner ausgesprochen musikalischen Geschichte immer noch ab und an als Singakademie bezeichnet, aber statt Chorgesang geht’s hier längst choreografisch zu.

Gegründet wurde das Maxim Gorki Theater als „Ort zur Pflege russischer und sowjetischer Theaterkunst“, die Ausrichtung des Hauses war danach so wechselhaft wie an kaum einem anderen Theater in Berlin. Ein mustergültiger Ort für sozialistischen Realismus war das Gorki einst, aber auch Premierenort für deutsche Gegenwartsdramatik (Heiner Müller arbeitete in den letzten DDR-Jahren als Dramaturg am Gorki) und Treffpunkt für sachten Widerstand gegen die SED.

Bernd Wilms (später am DT) leitete das Gorki, auch Armin Petras setzte als Intendant Impulse. Längst wird das kleine Haus aber international wahrgenommen als einer der politischsten und vielfältigsten Orte in Berlin. Mit der Intendantin Shermin Langhoff sind queere, kapitalismuskritische und die migrantische Community betreffende Themen prägend geworden.

  • Maxim Gorki Theater Am Festungsgraben 2, Mitte, Tel. 030/20 22 10, www.gorki.de

Komödie am Kurfürstendamm (im Schiller-Theater)

Die Komödie am Kurfürstendamm spielt zeitweise im Exil, die Bühne befindet sich im Schiller-Theater. Foto: Imago/Future Image
Die Komödie am Kurfürstendamm spielt zeitweise im Exil, die Bühne befindet sich im Schiller-Theater. Foto: Imago/Future Image

Kunsthistorisch interessant ist die Geschichte des Theaters am Kurfürstendamm allemal, denn früher stellte dort die Berliner Sezession Arbeiten aus, bevor ein vielfältiger Theaterbetrieb einzog: Revuen von Friedrich Hollaender standen auf dem Programm, aber auch Brecht-Stücke in der Regie von Max Reinhardt, nach dem Krieg auch die Freie Volksbühne, bis Jürgen Wölffer, Chef der benachbarten Komödie, die Leitung übernahm. Sein Werk führt mittlerweile Woelffer fort. Die Privatbühne, die eines von Berlins bekanntesten Theatern ist, zeigt unterhaltsame Stücke, beispielsweise von Agatha Christie, begeistert aber auch mit Kabarettabenden und weihnachtlichen Aufführungen für Kinder.

Nur das mit dem Standort ist kompliziert: Die ursprüngliche Bühne im Ku’damm-Karree gibt es nicht mehr, irgendwann dürfte das Theater in einen Neubau einziehen. Bis es so weit ist, muss man die umständliche Unterscheidung von Theater und Komödie am Kurfürstendamm nicht weiter beachten. Das Ensemble spielt übergangsweise im Schiller-Theater an der Bismarckstraße, auf den Kurfürstendamm im Namen legt das Haus aber weiterhin großen Wert – und auf gutes Entertainment natürlich auch.

  • Komödie am Kurfürstendamm im Schiller-Theater Bismarckstraße 110, Charlottenburg, Tel. 030/88 59 11 88, www.komoedie-berlin.de

HAU

„Tanz im August“ ist eine der regelmäßigen Festivalveranstaltungen, für die das HAU so berühmt ist. Foto: Imago/Schöning

Performancekunst von Weltrang erleben, zwischendurch noch experimentellen Sounds lauschen oder in Debatten einsteigen, die für manches Uniseminar zu komplex sind? Geht alles im HAU, einem etwas unübersichtlichen Zusammenschluss verschiedener Bühnen der freien Szene mit ganz unterschiedlicher Ausrichtung. HAU, das steht für Hebbel am Ufer, hervorgegangen aus dem Schaubühnen-Prototyp am Halleschen Ufer, dem renommierten Hebbel-Theater und dem Theater am Ufer, einer kleinen Hinterhofbühne, die nach dem Mauerfall entstanden war.

Gewissermaßen erfunden wurde das heutige HAU von Matthias Lilienthal, der zuvor in den 1990er-Jahren Frank Castorfs Chefdramaturg. Er machte die Häuser zu einem Ort für die Berliner Theater-Avantgarde. Unter seiner Nachfolgerin Annemie Vanackere sind internationale Gastspiele zu einer bedeutenden Stütze des Spielbetriebs geworden, ein Aushängeschild des HAU ist auch das jährliche Festival „Tanz im August“. Die drei ehemals unabhängigen freien Bühnen sind durchnummeriert, seit 2020 gibt es auch ein HAU4: Kein anderes Theater in Berlin geht so offensiv mit der Digitalisierung um, das Online-Programm steht gleichberechtigt neben dem analogen Live-Betrieb. Mit der HAU-Intendantin sprachen wir über ihre Pläne für die nächsten Jahre, ihren Führungsstil und Berlin als Risikokapital.

  • HAU1 Stresemannstraße 29, Kreuzberg
  • HAU2 Hallesches Ufer 32, Kreuzberg
  • HAU3 Tempelhofer Ufer 10, Kreuzberg, Tel. 030/25 90 04 27, www.hebbel-am-ufer.de

Friedrichstadt-Palast

Steht mittlerweile unter Denkmalschutz: der Friedrichstadt-Palast. Foto: Imago/Schöning

„Ich baue keinen billigen Larifari-Schuppen, von dem die Leute sagen: Guckt mal, das ist die kleinkarierte DDR“, sagte Manfred Prasser, einer der wichtigsten DDR-Architekten in Berlin, über den Friedrichstadt-Palast. In der Tat stellt die 1984 eröffnete High-Tech-Bühne ihre Konkurenz schon technisch in den Schatten, zudem verfügt keines der Theater in Berlin über mehr Plätze. Die Geschichte des Friedrichstadt-Palasts erzählen wir euch hier im Detail.

Auf die Hochphase als prägende DDR-Showbühne und Austragungsort für das beliebte Fernsehformat „Ein Kessel Buntes“ folgte eine längere Durstrecke mit zahlreichen Leitungswechseln. Seit Bernd Schmidt 2007 die Geschicke des Palasts in die Hand nahm, ist es jedoch kontinuierlich bergauf gegangen. Die Revuen mit eigenem Tanzensemble, spektakulären Kostümen und eigenem Orchester erzählen sicherlich nicht die komplexesten Geschichten und werden nie zum Theatertreffen eingeladen.

Aber der bildgewaltige Bühnenzauber von Abenden unter Titeln wie „Vivid“, „Wylde“ oder seit neustem „Arise“ zählt zum erfolgreichsten, was in Berliner Theatern angeboten wird – und zum zugänglichsten. Gerade bei Berlin-Besucher:innen aus aller Welt ist der Friedrichstadt-Palast eine der ersten Adressen. Entsprechend international fällt dann auch das Lob der Presseschauen und der Glamour der Premierenabende aus.

  • Friedrichstadt-Palast Friedrichstraße 107, Mitte, Tel. 030/23 26 23 26, www.palast.berlin

Grips-Theater: Für Berlin-Profis, Kinder und Jugendliche

An Kinder, Jugendliche und Berlin-Profis gleichermaßen richtet sich das Grips-Theater. Rechts im Bild: das Logo des Hauses mit Schriftzug und Kiste. Foto: Imago/Jürgen Held

Im Hansaviertel, einem der architektonisch interessantesten Quartiere Berlins, findet sich auch eines der aufregendsten Häuser der Stadt: das Grips. Wie so oft bei Theatern in Berlin waren die Widerstände in den ersten Jahren gewaltig, denn der freche Ton kam zwar beim Publikum gut an, stieß aber unter Konservativen nicht gerade auf Gegenliebe. Hervorgegangen ist das heutige Grips aus dem linken studentischen „Reichskabarett“, als Geburtsjahr gilt 1969: Mit dem Stück „Stokkerlok und Millipilli“ politisierte man das Kindertheater.

Über Umwege landete die Gruppe schließlich 1974 am Hansaplatz, das Theater befindet sich in einem ehemaligen Kino, wo die „kommunistischen Kinderverderber“, wie die CDU über das erste Grips-Stück für Jugendliche 1975 quengelte, noch heute spielen.

Das Repertoire richtet sich nach wie vor an junge Menschen, allerdings auch an echte Berlin-Profis. Das Grips-Theater bleibt seinen jungen, widerständigen Wurzeln weiter treu. Zu den größten Erfolgen zählt das Kabarettstück „Eine linke Geschichte“, die mit viel Berlin-Bezug genau das erzählt. Und natürlich das Musical „Linie 1“, ein Querschnitt der Gesellschaft der Mauerstadt und eines der meistgespielten Stücke aus Berlin überhaupt.


Sophiensaele

Die Sophiensaele sind für die freie Szene eine wichtige Spielstätte. Foto: Imago/Joko
Die Sophiensaele sind für die freie Szene eine wichtige Spielstätte. Foto: Imago/Joko

Im deutschsprachigen Raum gibt es ein dichtes Netzwerk freier Theaterhäuser mit internationaler Ausrichtung: Kampnagel in Hamburg etwa, Mousonturm in Frankfurt am Main, brut Wien, das Zürcher Theaterhaus Gessnerallee – und in Berlin die Sophiensaele, die offiziell 1996 mit Sasha Waltz’ Produktion „Allee der Kosmonauten“ eröffnet wurden. Sasha Waltz, Jochen Sandig, Jo Fabian, Zebu Kluth und Dirk Cieslak sind die Gründungsmitglieder der Produktionsstätte, seit 2011 ist Franziska Werner künstlerische Leiterin der Sophiensaele – Waltz ist weiterhin Gesellschafterin, ist aber mit Sasha Waltz & Guests mittlerweile ins Radialsystem umgezogen.

Performances und Tanz umfasst das Programm der Sophiensaele aber nach wie vor, darüber hinaus auch Diskursveranstaltungen, Musik und natürlich Theater. Auch beim Theatertreffen sind Produktionen der Sophiensaele eingeladen worden: mit Thorsten Lensings Adaption von David Foster Wallaces „Unendlicher Spaß“, Milo Rau und dem International Institute of Political Murder sowie 2020 mit Florentina Holzingers „Tanz“. Regelmäßig im Programm vertreten sind auch sind Vanessa Stern, Martin Nachbar, Monster Truck, Christoph Winkler, Sebastian Matthias, Interrobang und Turbo Pascal. Rund 100 Projekte präsentieren die Sophiensaele jedes Jahr, und gerade für den Nachwuchs bedeutsam sind die Tanztage Berlin und die Plattform „Freischwimmen“.


Theater Parkaue

Anspruchsvolle Stücke für junge Menschen bietet das Theater an der Parkaue.  Foto: Imago/Tagesspiegel
Anspruchsvolle Stücke für junge Menschen bietet das Theater an der Parkaue. Foto: Imago/Tagesspiegel

Früher beherbergte das denkmalgeschützte Ensemble eine Schule, kindgerecht geht es hier aber nach wie vor zu: Das Theater an der Parkaue ist eines der wichtigsten staatlichen Kinder- und Jugendtheater in Deutschland. Zum Komplex gehörte zu DDR-Zeiten das Haus der Pioniere ebenso wie das programmatisch auf Kinder und Jugendliche ausgerichtete Theater der Freundschaft.

Nach der Wende wurde daraus zunächst das „carrousel Theater an der Parkaue“, das sein Repertoire beständig erweiterte, nach wie vor Kinder und Jugendliche mit Bühhnenstücken unterhielt, aber auch noch nie inszenierte westeuropäische Stücke auf den Spielplan nahm und international mit anderen Theatern kooperierte. Mittlerweile heißt die Spielstätte nur noch Theater an der Parkaue.

Bis 2018 wirkte das Programm noch deutlich umfangreicher, weil der Verein „Das Weite Theater“ hier spielte, ebenso Stücke des Puppenspiel-Bereichs der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch zur Aufführung kamen. Mit deren Umzug an einen eigenen Campus endete die Ära des Figurentheaters an der Parkaue. Das Theater aber spielt nach einer längeren Pause seit Ende September 2021 wieder – unter neuer Leitung (Christina Schulz und Alexander Riemenschneider), aber mit gewohnt anspruchsvollem und abwechslungsreichen Programm für Kinder und Jugendliche.

  • Theater an der Parkaue Parkaue 29, Lichtenberg, Tel. 030/55 77 52 52, www.parkaue.de

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