Theater

Theater in Charlottenburg: Von gediegen bis gewagt

Theater in Charlottenburg bieten lebendige Unterhaltung und erzählen ganz nebenbei von der vielfältigen Geschichte unserer Stadt. Traditionsreiche Bühnen gibt es hier, auf denen Größen des deutschen Showbusiness spielen konnten, aber auch kleine Theater mit klarem Profil, die sich seit Jahrzehnten behaupten. Daneben bringen die Studierenden der UdK immer wieder frischen Wind in die Theaterlandschaft, die sich auch in Charlottenburg in Zukunft weiter entwickeln wird. Denn ein ganz neues Theater wartet hier auf seine Eröffnung. Wir zeigen euch die Bühnen des alten Westens, die Theater in Charlottenburg.


Renaissance Theater

Der Saal des Renaissance-Theaters in Charlottenburg ist ein echtes Schmuckstück. Foto: Max Müller

Zwischen den klassizistischen Häusern Berlins sticht dieses Theater in Charlottenburg deutlich hervor: Das Renaissance-Theater ist das einzige erhaltene Art-Déco-Theater in Europa. Der Name führt jedoch in die Irre, denn mit Renaissance-Dichtung hat man hier ausgesprochen wenig am Hut. Architekt des Hauses ist Oskar Kaufmann, der auch die Volksbühne baute, aber um Berliner Architektur soll es hier nicht gehen.

Seit der Spielzeit 2020/21 leitet Guntbert Warns das Theater als Intendant, zuvor war er jahrelang festes Mitglied des Ensembles. Auf dem Programm stehen unterhaltsame Stücke wie die Anti-Jugendwahn-Komödie „Ewig jung“ und Musicals wie „Hedwig and the Angry Inch“, aber auch Lesungen und Kabarettabende. Daneben ist das Charlottenburger Theater ein wichtiger Schauplatz der jährlichen Jüdischen Kulturtage.

  • Renaissance-Theater Knesebeckstraße 100/Hardenbergstraße, Charlottenburg, 030/315 97 30, weitere Infos hier

Komödie am Kurfürstendamm (im Schiller-Theater)

Die Komödie am Kurfürstendamm spielt im Exil, die Bühne befindet sich im Schiller-Theater in Charlottenburg. Foto: Imago/Future Image

Kunsthistorisch interessant ist die Geschichte des Theaters am Kurfürstendamm allemal, denn früher stellte dort die Berliner Sezession Arbeiten aus, bevor ein vielfältiger Theaterbetrieb einzog: Revuen von Friedrich Hollaender standen auf dem Programm, aber auch Brecht-Stücke in der Regie von Max Reinhardt, nach dem Krieg auch die Freie Volksbühne, bis Jürgen Wölffer, Chef der benachbarten Komödie, die Leitung übernahm. Sein Werk führt mittlerweile sein Sohn Martin Woelffer fort. Die Privatbühne, die eines von Berlins bekanntesten Theatern ist, zeigt unterhaltsame Stücke, beispielsweise von Agatha Christie, begeistert aber auch mit Kabarettabenden und weihnachtlichen Aufführungen für Kinder.

Nur das mit dem Standort ist kompliziert: Die ursprüngliche Bühne im Ku’damm-Karree gibt es nicht mehr, irgendwann dürfte das Theater in einen Neubau einziehen. Bis es so weit ist, muss man die umständliche Unterscheidung von Theater und Komödie am Kurfürstendamm nicht weiter beachten. Das Ensemble spielt übergangsweise im Schiller-Theater an der Bismarckstraße, auf den Kurfürstendamm im Namen legt das Haus aber weiterhin großen Wert – und auf gutes Entertainment natürlich auch.

  • Komödie am Kurfürstendamm im Schiller-Theater Bismarckstraße 110, Charlottenburg, Tel. 030/88 59 11 88, weitere Infos hier

Theater des Westens

Das Theater des Westens ist heute eine Musicalbühne. Foto: Imago/F. Anthea Schaap

Das Theater des Westens ist eines der traditionsreichsten Theater in Charlottenburg und kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. 1895 wurde der Grundstein für das neobarocke Bauwerk gelegt, aber mit dem Schauspielbetrieb sollte es zunächst nichts werden, schon kurz nach der Eröffnung sattelte man auf Opern, später auf Operetten um.

Wegweisend war das Theater des Westens dann in den 1920er-Jahren: Zwar wechselte die künstlerische Leitung so oft wie der Spielplan, aber das Haus sorgte für Begeisterung – nicht zuletzt wegen der wegweisenden Tanzaufführungen von Mary Wigman und Anna Pawlowa sowie der Kabarettbühne im Keller.

Unter den Nazis verflachte das Programm, nach dem Zweiten Weltkrieg war das Theater in Charlottenburg Spielstätte der Städtischen Oper Berlin, die erst 1961 zurück an die Bismarckstraße zog. An der Kantstraße wurden wieder erfolgreiche Operetten gezeigt, aber einen wahren Höhenflug erlebte das Haus ab 1978 unter Götz Friedrich und Helmut Baumann, die zeitweise eine Auslastung von 98 Prozent erreichten und Größen wie Ute Lemper, Hildegard Knef und Helen Schneider auf die Bühne holten.

Weil das Charlottenburger Theater jedoch seit der Jahrtausendwende rote Zahlen schrieb, wurde es verkauft. Seit 2002 gehört es dem Musical-Konzern Stage Entertainment, heißt daher konsequenterweise Stage Theater des Westens und zeigt langfristige Produktionen wie das tolle Musical “Ku’damm 56”.

  • Theater des Westens Kantstraße 12, Charlottenburg, Spielplan, Tickets und weitere Infos hier

UNI.T – Theater der Universität der Künste Berlin

UNI.T: In diesem Charlottenburger Theater zeigt die UdK, was ihr Fachbereich Darstellende Kunst leistet. Foto: Thomas Jäger

Mit der Universität der Künste hat Berlin eine Ausbildungsstätte für alle Fächer der Kunst, von Bildhauerei bis zum Schauspiel. Und weil Kunst nicht nur hinter verschlossenen Türen stattfindet, sondern gerade das Theater vom Publikum lebt, gehört zur Hochschule mit dem UNI.T ein eigenes Theater in Charlottenburg.

Der schlichte, aber trotz aller Zweckmäßigkeit elegante Bau aus den 1970er-Jahren bietet Platz für 300 Menschen, die dort Einblicke in Stückentwicklungen und Produktionen der Universität erlangen können – und dürfen staunen über das Niveau, das von Bühnenbild über Gesang bis Schauspiel präsentiert wird. Die wechselnden Stücke geben nicht nur einen guten Überblick über die Studieninhalte, sondern sind auch so etwas wie ein Blick in die Zukunft. Denn dass diejenigen, die man im UNI.T sieht, groß rauskommen, ist gar nicht mal unwahrscheinlich.

  • UNI.T – Theater der Universität der Künste Berlin Fasanenstr. 1 B, Charlottenburg, Spielplan, Tickets und weitere Informationen hier

Vagantenbühne

Die Vagantenbühne ist eines der wichtigsten privaten Theater in Charlottenburg. Foto: Imago/Joko

Vaganten, so nannte man im Mittelalter die gebildete Boheme auf der Suche nach Arbeit, und so heißt auch ein kleines Theater in Charlottenburg. Die Theatergruppe wurde 1949 gegründet und sah sich dem Theater der Aufklärung verpflichtet. Zunächst spielten Menschen aus Ost- und West-Berlin gemeinsam die Stücke, die Gruppe zog frei durch die Stadt. In den 1950er-Jahren zogen “Die Vaganten” im Souterrain des Delphi-Filmpalasts ein. Der Mauerbau war auch für die Theatergruppe ein tiefer Einschnitt, das Ost-West-Ensemble war Geschichte.

In den 1960er-Jahren konnte sich die Vagantenbühne mit Stücken von Sartre, Genet, Ionesco und weiteren zeitgenössischen Dramatiker:innen den Ruf eines Avantgarde-Theaters erarbeiten – und noch heute hat das kleine Privattheater ein klares Profil. In rund 70 Jahren Geschichte war die Bühne zwar immer wieder umgezogen, heute befindet sie sich im selben Haus wie das Quasimodo, einer der wichtigsten Jazzclubs in Berlin.

Auf dem Spielplan stehen rund vier neue Eigenproduktionen pro Jahr, zudem Gastspiele, szenische Lesungen und Literaturveranstaltungen. Dabei wird einerseits der neue Blick auf Klassiker geprobt, andererseits zeitgenössischen Produktionen viel Raum gegeben, schließlich will das einstige Avantgarde-Theater nach wie vor gerade junge Menschen begeistern.

  • Vaganten Bühne Fasanenstraße 12A, Charlottenburg, Tel. 030/313 12 07, Tickets, Spielplan und mehr Infos hier

Globe Berlin 

Bevor das Globe Berlin fertig ist, wird draußen gespielt. Im Bild: “Es lebe Europa” nach dem selten gespielten Schriftsteller Paul Scheerbart. Foto: Imago/Martin Müller

Globe, das klingt nicht nur nach der legendären hölzernen Shakespeare-Bühne in England, sondern soll auch (fast) genau das werden: eine Spielstätte nach diesem berühmten Vorbild, konzipiert von Christian Leonhard, der die Berliner Shakespeare Company gegründet hat.

Auf gewisse Weise ist das neue Theater in Charlottenburg auch schon fertig – beziehungsweise muss nur noch aufgebaut werden. Denn Leonhard erwarb das Globe Theater in Schwäbisch Hall, das in Berlin aufgebaut werden soll. Zur Vision gehören neben Aufführungen von Shakespeare-Stücken auch Musik, Performances, Poetry Slams und insgesamt ein Theater, das lebendig ist und Impulse aus der Stadtgesellschaft aufgreift.

Bis das jedoch in einem runden Holzbauwerk live zu erleben ist, wird noch Zeit vergehen. Aber an die Ausblicke auf das, was das Globe einmal leisten wird, konnte Berlin sich längst gewöhnen: Auf der Baustelle finden die sogenannten Prolog-Spielzeiten im Sommer unter freiem Himmel statt.

  • Globe Berlin Sömmeringstraße 15, Charlottenburg, Spielplan, Termine, Tickets und Infos hier

Die Stachelschweine

Als erstes politisches Kabarett im Berlin der Nachkriegszeit schaut das Theater in Charlottenburg auf eine lange Geschichte zurück. Foto: Dirk Dehmel

Das Kabarett-Theater am Kurfürstendamm atmet Geschichte. 1949 als Schauspielkollektiv gegründet, bespielte das Ensemble zunächst den Studierendenclub Badewanne. In den 60er-Jahren fanden sie im Untergeschoss des neu erbauten Europacenters eine Heimat, von wo aus sie bis heute ihre Stacheln in Politik und Gesellschaft bohren. Nicht nur beim Berliner Publikum fand das Theater schnell treue Anhänger:innen, Fernseh- und Radioübertragungen steigerten ihre Popularität über die Grenzen der Hauptstadt hinaus. Neben dem eigenen Ensemble begrüßt das erste politische Kabarett der Nachkriegszeit auch Gastauftritte auf der Bühne. Mehr zu Kabarett und politischer Satire in Berlin findet ihr hier.

  • Die Stachelschweine Tauentzienstraße 9-12, Charlottenburg, mehr Infos hier

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