Theater

Theatertreffen 2011

testamentInteressant ist, wer fehlt: keine Inszenierung aus dem Deutschen Theater Berlin, keine aus den Münchner Kammerspielen oder dem Hamburger Thalia Theater. Die großen, reichen Dampfer scheinen aus Sicht der Jury ein wenig zu schwächeln. Dass die anderen Berliner Bühnen, vom BE bis zur Schaubühne und der maroden Volksbühne, nicht zu Theatertreffenehren gelangen, ist nicht wirklich überraschend. Erstaunlich ist, dass die Jury Kimmigs kluge, psychologisch genaue Inszenierung „Kinder der Sonne“ aus dem DT nicht einladen wollte. Dafür hebt sie zwei Berliner Off-Inszenierungen aufs Podest: „Testament“ von She She Pop aus dem HAU und „Verrücktes Blut“ von Nurkan Erpulat aus dem gehypten Ballhaus Naunynstraße. Freuen kann man sich auf Christoph Schlingensiefs letzte Arbeit „Via Intolleranza II“, einer afrikanisch-belgisch-deutschen Koproduktion.

Eröffnet wird das Festival von Karin Beiers Kölner Jelinek-Trilogie „Das Werk / Im Bus / Ein Sturz.“ Ebenfalls aus Köln kommt Karin Henkels Kirschgarten. Ein Höhepunkt dürfte der „Tod eines Handlungsreisenden“ des einstigen Radikalpop-Regisseurs Stefan Pucher aus dem Schauspielhaus Zürich werden. Aus Dresden kommt schwere Klassikerware „Don Carlos“ in der Regie des jungen Milden Roger Vontobel, aus dem Burgtheater Kathrin Rögglas Zeitdiagnose Die Beteiligten in der Regie von Stefan Bachmann. Unser Favorit sind die beiden Inszenierungen, die Herbert Fritsch in der tiefsten Provinz inszeniert hat: „Der Biberpelz“ aus dem Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin und „Nora“ aus dem Theater Oberhausen.

Text: PL

Foto: She She Pop

Theatertreffen 6.-23.5., Karten-Tel. 254 89-233, www.theatertreffen-berlin.de

Interview mit Herbert Fritsch

Mehr über Cookies erfahren