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Thomas Ostermeier über seine „Dämonen“ Inszenierung

ostermeiertip Beim Titel Ihrer neuen Inszenierung „Dämonen“ denkt man an übernatürliche Kräfte oder an Dostojewskis Roman. Welche Dämonen gehen in diesem Stück von Lars Norйn um?

Thomas Ostermeier Die Dämonen im jeweiligen Gegenüber. Dieses Paar, Frank und Katarina, hat sich so in seinen Beziehungsspielen verloren, dass sie sie nicht mehr verlassen können. Jeder wird zum Dämonen des anderen.

tip Wir lernen in dem Stück ein Paar kennen, das offenbar sehr ungücklich miteinander ist. Sie lieben sich, aber sie können sicht nicht leiden, heißt es einmal. Was macht verunglückte Liebesbeziehungen so ergiebig für das Theater?

Ostermeier In diesem Fall ist in­teressant, dass Frank und Katarina beständig ein uneigentliches Sprechen benutzen. Sie sagen nie, was sie wirklich meinen. Das ist schon mal eine theatrale Situation. In dem Stück wird dieses Paar von einem anderen Paar besucht, Jenna und Thomas. Man ist beständig am Abgleichen, man beobachtet, wie die anderen miteinander umgehen. Das eine Paar wird zum Publikum des anderen und umgekehrt.

tip Wobei die beiden Paare auch vor dem anderen Paar relativ rüde miteinander umgehen. Sie machen sich kaum die Mühe, eine schöne Fassade vorzuspielen.

Ostermeier Sie versuchen es, aber sie kriegen es nicht hin. Vielleicht merken sie auch gar nicht, dass sie so grob miteinander umgehen.

tip Knüpfen Sie in dieser Beschreibung bürgerlicher Intimbeziehungen an Ihre Ibsen-Inszenierungen „Nora“ und „Hedda Gabler“ an?

Ostermeier Der Riesenunterschied zu den Ibsen-Stücken ist, dass dort diese Mittelschichtsfiguren unter massivem ökonomischem Druck stehen. Sie haben Angst, auf der Sozialleiter runterzufallen, das zerstört letztlich auch ihre Privatbeziehungen. Dieses Problem haben die Paare in „Dämonen“ nun überhaupt nicht. Sie haben offenbar gut bezahlte Jobs und keine finanziellen Sorgen. Da merkt man auch, dass das Stück vom Anfang der 80er Jahre ist. Diese Abwesenheit von ökonomischem Duck ist, glaube ich, ein Unterschied zum heutigen Lebensgefühl. Katarina und Frank leiden aneinander, nicht an den gesellschaftlichen Verhältnis­sen.

tip Wenn sich Katarina und Frank so aneinander abquälen – weshalb trennen sie sich dann nicht einfach?

Ostermeier Ich kenne das total, dieses Problem, dass man nicht voneinander loskommt, dass man sich 38 Mal trennt und dann doch wieder zusammenkommt. Da kommen mir Katarina und Frank schon sehr vertraut vor.

Interview: Peter Laudenbauch

Foto: Richard Dumas

Dämonen
in der Schaubühne, z.B. Di 2.3., Do 18.3., 20 Uhr,
Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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