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„Through Roses“ in der Staatsoper in der Werkstatt des Schiller Theaters

Udo Samel

tip Herr Samel, bei der Sprech-Oper „Through Roses“ geht es um Erinnerungen eines Geigers, der in Auschwitz vor Lageroffizieren spielte. Wie nähert man sich als Schauspieler einem solchen Stoff?
Udo Samel Durch Weglassen. Durch kleinere Gesten und leisere Töne. So, wie ich es mit zunehmendem Alter ohnehin immer mehr versuche. Das Unsagbare kann man nicht erzählen. Daher ist die Skizze hier angebrachter als das Ölbild. Es ist ein Stück über die Last, die wir alle tragen müssen. Ich nähere mich dem eigentlich mit derselben Einstellung, die ich immer habe, nämlich: Jede Rolle ist zu groß für mich. Das ist sozusagen meine Methode.

tip Sie gelten als prononcierter Komiker. Ist Komischsein gleichfalls eine Frucht der Jahre – oder eine Technik?
Udo Samel Als Komiker muss man den Mut zum Lächerlichen haben. Das habe ich früh akzeptiert. In meiner Familie waren viele sehr große Männer, während ich feststellen musste, dass ich da nicht mithalten kann. In meinem Pass steht „1,68 Meter“, und das ist sogar noch übertrieben. Ich schrumpfe! Das Komische ist für mich eine Überlebensform. Mit dem Verzweifelten liegt es eng beisammen.

tip Sie waren als Kind Sängerknabe in der Laubacher Kantorei. Als Knabensopran?
Udo Samel Ich hatte eine sehr schöne Sopranstimme, sodass jeder glaubte, ich müsse Sänger werden. Als kleiner Junge mit zwölf war ich schon ähnlich rundlich, wie ich es heute bin. Ein Fässchen. Als der Stimmbruch kam, ging die Stimme kilometerweit in die Tiefe. Ich wurde ein schwarzer Bass, mit ganz kleinem Stimm­umfang. Dann habe ich neben dem Klavier noch Fagott hinzugenommen, auch zu komponieren begonnen und dirigiert.

tip Man könnte den Eindruck haben, dass Sie als Schauspieler zuweilen immer noch aufrecht dastehen, als seien Sie ein Sängerknabe – ist das so?
Udo Samel Könnte stimmen. Wenn man damals was ausgefressen hatte, musste man zur Strafe sogar aufrecht vor dem Spind strammstehen. Meine erste Rolle war die Mädchenfigur in Mozarts Oper „Bastien und Bastienne“. Im Pu­blikum tuschelte man: „Was für ein bezauberndes kleines Mädchen …“ Worauf meine Mutter sich umdrehte und ausrief: „Das ist mein Sohn!“

tip Nach Peter Stein, Luc Bondy, Grüber und Breth ist Neco Зelik für Sie der jüngste Regisseur seit Jahren, oder?
Udo Samel Ja, eine schöne und fruchtbare Begegnung. Zumal ich oft den Eindruck habe, dass jüngere Regisseure Angst haben vor mir. Er nicht. Neco Зelik sagt immer, er sei der einzige Berliner in der Produktion. Was wahr ist. Neco kommt aus der muslimischen Tradition, ich aus der jüdisch-christlichen. Also ist es für uns spannend, über Gott und Engel zu reden. Für mich ist dies die erste Berliner Premiere seit Yasmina Rezas „Kunst“ – vor genau 20 Jahren.

tip Welches Theater in Berlin würde heute am besen zu Ihnen passen?
Udo Samel Das ist eine Frage, die ich mir oft gestellt habe. Ich habe vom Theater ein bisschen genug. Von der Institution, auch vom Angestellten­dasein. Seit gestern bin ich nicht mehr Mitglied des Wiener Burgtheaters. Ich werde in Wien meine Wohnung aufgeben. Ich will zurück nach Berlin. Aber lieber, um mehr zu inszenieren und zu drehen. Also habe ich, wie Sie merken, auf Ihre Frage keine echte Antwort.

Interview: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Vincent Stefan

Adresse + Termine: Staatsoper in der Werkstatt des Schiller Theaters

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