Theater

„Tod.Sünde.7“ in den DT-Kammerspielen

TodSuende7_c_ArnoDeclairDüster-kühler Club-Sound, tiefster Bass. 16 junge Menschen in Leuchtfarben-Outfits tummeln , ziehen und schleifen sich über die Bühne der DT-Kammerspiele. Das zweistöckige Bühnenbild (Mascha Mazur) aus Birken-Dielen mit Jesus-Graffito lässt viel Raum für ihre Tänze, man wähnt sich beim Popmusik-Casting.

Immer wieder zerren sich Einzelne aus dem Kollektiv und monologisieren: „Ich und der Staubsauger, ich hab mir einen runtergeholt!“ Replik des Chors: „Ist ja gratis!“ Später lernt man 25 Verben für Sex. Alle sieben Todsünden werden der Reihe nach abgehandelt. „Ich esse tote Tiere.“ „Ich will deine unnötigen Gliedmaßen entfernen.“ „Ich will euch beide zur selben Zeit.“ Die jungen Spieler verreiben bei solchen Sätzen ihre Spucke sorgfältig auf den Dialogpartnern. Der Chor singt Zeitgeist-Plattitüden: „Sharing is caring, secrets are lies, privacy is theft.“

Und immer wieder tanzen die perfekt gestylten jungen Menschen zu den House-Beats aus dem MacBook. Der Abend fühlt sich an wie ein einziges Selfie der selbstoptimierten Generation Facebook, die immer schön verfügbar, schön originell und vor allem schön schön zu sein hat: „Was? Nur zehn Likes in fünf Minuten?“ Wir sehen Leute, die keine Sekunde allein sein können und auch mal aufbegehren wollen: „Mir hat keiner zu sagen, wie ich mich ruinieren soll!“

Das performt der Jugendclub des Deutschen Theaters charmant unter der Regie von Wojtek Klemm, arbeitet aber leider keine  Figur wirklich überraschend oder radikal heraus. Vielleicht hätten weniger Spieler dem Abend gut getan, sodass nicht jeder mit seiner Mini-Story bloß kurz aufpoppt. Aber genauso fühlt sich der zerstreuende Cyberspace natürlich auch an. 

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Annehmbar

Tod.Sünde.7 Deutsches Theater Kammerspiele, Di 27.5., 19 Uhr, Karten-Tel. 28 44 12 25

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