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„Trauer muss Elektra tragen“ am Deutschen Theater

TrauerMussElektraTragenAm Theater werden ja gerne die ganz großen Fragen aufgeworfen, Fragen nach Sinn, Schicksal, Schuld, Liebe, Kapitalismus, Revolution und solchen Sachen. Es ist nun nicht so, dass Stephan Kimmigs leider arg öde Inszenierung von Eugene O’Neills Trilogie „Trauer muss Elektra tragen“, einer amerikanisch schwülstig-triebdampfenden Modernisierung der „Orestie“, am Deutschen Theater gar keine Fragen, außer der ewigen Theaterfrage, wo man denn hinterher essen gehen könnte, aufwerfen würde. Die erste Frage ist, wie einem sensiblen, klugen Regisseur wie Kimmig, dem das Deutsche Theater so schöne Inszenierungen wie „Kinder der Sonne“ verdankt, ein derart leblos prätentiöser Abend passieren konnte. Die zweite, wie er auf die Idee gekommen ist, dieses abgelebte Stück von 1931, das sein Endlager längst im Fundus der Theatergeschichte gefunden hat, reanimieren zu müssen. Irgendein spezielles Interesse daran lässt seine Inszenierung jedenfalls nicht erkennen. Stattdessen: Verknappung der voluminösen Dramen-Trilogie auf zwei eher dünne als dichte Stunden, Reduktion auf den Plot, Zuspitzen und Ausstellen der Vulgärpsychoanalyse-Deutungen der Orestie samt ausgiebigen Ödipus- und Inzest-Manövern, die O’Neills Trilogie durchziehen bis zur unfreiwilligen Komik, in der die Figuren dann wie bedauernswerte Inzesttriebtäter zappeln. 

Bühnenbildnerin Katja Haß hat das Innere eines fenster- und ausweg­losen Bunkers auf die Bühne gestellt, in dem das Verhängnis gar nicht anders kann, als seinen Lauf zu nehmen. Die Tochter Lavinia (Maren Eggert) liebt den Puritaner-Vater Ezra (Helmut Mooshammer) und hasst die fremdgehende Mutter Christine (Friederike Kammer). Was diese von Herzen erwidert, indem sie den Ekel vor ihrem Gatten auf die Tochter überträgt. Der Liebhaber der Mutter (Bernd Moss), ein entfernter Verwandter ihres Mannes, ist als zwielichtige Abenteuer-Existenz das Gegenbild zur puritanischen Rechtschaffenheit Ezras – und in Konkurrenz zur Mutter das heimliche Wunschobjekt der Tochter. Schon aus Gründen der Symmetrie hasst der Sohn Orin, ein aufgeregter Orest-Wiedergänger (Alexander Khuon), den Vater und begehrt die Mutter mit mehr als nur kindlich unschuldiger Liebe: Inzest – das Spiel für die ganze Familie. Was hier nicht zur Tragödie, sondern nur zu jeder Menge Knutschereien und vielen Leichen führt. Und zur Frage, wo man denn hinterher essen gehen könnte, um den angebrochenen Abend zu retten.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Uninteressant

Trauer muss Elektra tragen Deutsches Theater, 27.10., 20.30 Uhr, 8., 11., 17.11., 20 Uhr, Karten-Tel. 28 44 12 21

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