Theater

Tschaikowskis „Mazeppa“ an der Komischen Oper

Ivo van Hove, das war doch der mit dem „Würstchen im Allerwertesten“ bei seinem Schaubühnen-„Menschenfeind“. Tschaikowskis Mär vom Reiter­ führer „Mazeppa“, der über einem Zaren-Putsch die Liebe der Tochter seines Erzfeindes einbüßt, inszeniert er als brutales Terror-Gemälde. Filmausschnitte mit Massenerschießungen, Folter und Misshandlungen wollen aktualisieren. Und lassen ein Maß an Gewaltpornographie in dieser Aufführung erkennen, die auch heute im Theater nicht üblich ist.

Die Gewaltexzesse wären hinnehmbar, vielleicht sogar sinnvoll, böte der Rest der Aufführung mehr als bloß betonmodernes Wartesaal-Theater. Das Beweglichste bleibt der Drehstuhl des grausamen Apparatschiks. Dass dahinter ein Poem von Puschkin steht, darauf würde man nicht verfallen. Generalmusikdirektor Henrik Nбnбsi hält die Truppe erstaunlich gut zusammen. Dirigiert aber zu laut. Erstmals in der Geschichte des Hauses wird nicht auf Deutsch gesungen. Das macht den Weg frei für eine Armada idiomatischer Gastsänger, wie man sie hier lange nicht so gut hörte. Allen voran Robert Hayward als Totschlag-Kosake. Und Asmik Grigorian mit Steinschleifer-Sopran. Ein vokaler Molotow-Cocktail. Für Hartgesottene.     

Text: KLK
Foto: Gediminas Zilinskas
tip-Bewertung: Zwiespältig

Mazeppa
Sa 2. + So 3.3., jeweils 19.30 Uhr, So 17.3., 18 Uhr, Sa 30.3., 19 Uhr, Fr 5.4., 19.30 Uhr,
in der Komischen Oper,
Karten-Tel. 47 99 74 00

 

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