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„Ultraschall – Festival für Neue Musik“ in Berlin

LachenmannLeicht hatte es die Neue Musik noch nie, aber dass sie es einmal so schwer haben würde wie derzeit, hätte man sich in den glorreichen 1920ern und 1960ern nicht träumen lassen.

Die Probleme sind bekannt: Der ewige Vorwurf mangelnder Vermittelbarkeit, die Frage nach der sozialen Relevanz der ganzen Angelegenheit, eine gewissen Sektenhaftigkeit. Die Neue Musik ist längst alles andere als brandneu. Sie kann auf gut ein Jahrhundert der eigenen Geschichte zurückblicken und muss folglich auch zunehmend als historisch wahrgenommen werden. Im schlimmsten Fall mutiert die Historisierung zur Nostalgie.

Frei von solchem Nostalgie-Appeal widmet sich das vom Deutschlandradio Kultur und dem Kulturradio des RBB veranstaltete (und übertragene) „Ultraschall – Festival für Neue Musik“ einer näheren Standortbestimmung: „Was ist das überhaupt – Neue Musik?“ Das Festival präsentiert dabei eine programmatische Mischung aus Uraufführungen junger Komponisten und den Werken von Klassikern der Avantgarde wie Helmut Lachenmann (Foto) oder Mauricio Kagel. Eine Mischung, die sich gewissermaßen in der Auswahl der Aufführungsorte spiegelt: Vom Radialsystem im Kontext subkultureller Formen elektronischer Musik bis zum altehrwürdigen Großen Sendesaal im Haus des Rundfunks in der Masurenallee.

Ein Klassiker wie der nunmehr 75-jährige Helmut Lachenmann stellt selbst die Relevanzfrage: „Der Neuheitswert jeglicher klanglichen Entdeckungen“, sagte er vor ein paar Jahren, „ist ausgereizt. Der Begriff des Neuen muss von anderswoher selbst neu bestimmt werden, nämlich im Blick auf die Wirklichkeit, auf die das Komponieren reagiert.“ Lachenmann hat sich immer auch als politisch linker Komponist verstanden. Er kombinierte in seiner Oper „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ Andersens Märchen mit Texten von Gudrun Ensslin oder benannte eine Komposition nach dem marxistischen Kulturtheoretiker und Freiwilligen im Spanischen Bürgerkrieg Christopher Caudwell. Eine Möglichkeit der Relevanz.

Text: Andreas Hahn

Foto: Gabi Minz, Neuhardenberg

Ultraschall 20.-30.1., Radialsystem, Sophiensaele, Neue Nationalgalerie, Großer Sendesaal im Haus des Rundfunks, genaue Termine siehe Programmteil

www.kulturradio.de/kulturkalender/Ultraschall/ultraschall.html

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