Tanz

„Until our Hearts Stop“ im HAU 2

Fremde Nähe: Meg Stuarts „Until our Hearts Stop“ sprengt Grenzen Foto: Iris Janke

Dass Tanz nicht unbedingt ein nettes Wohlfühl- und Mitmachangebot auf dem Tempelhofer Feld sein muss, sondern auch ein Ort der konzentrierten Reflexion und der Erkundung der ungemütlicheren Aspekte menschlicher Existenz sein kann, lässt sich im HAU erleben – zum Beispiel wenn die große Konzept-Choreografin Meg Stuart wieder mal zu Gast ist. Eines ihre zentralen Themen ist die nicht beantwortbare Frage, wie etwas so Kompliziertes, Notwendiges, Zerbrechliches und Gefährliches wie Nähe überhaupt möglich ist, und um welchen Preis.

Auch ihr Stück „Until our Hearts Stop“ („Bis unsere Herzen aufhören zu schlagen“), mit dem Meg Stuart jetzt im HAU gastiert, kreist um diese unaufhörliche Suche nach Nähe und ihren Grenzen. Sechs Performer spielen durch, wie so etwas wie kollektive Kooperation ein komplexes Regelwerk produziert und notwendig macht. Sie absolvieren im Dienst des sozialen Miteinanders Yoga-Übungen oder Akrobatik, Zaubertricks, Rituale, Kämpfe und testen intensivere Varianten des intimen Körperkontakts. „Es sind weniger die Themen oder die Reihenfolge der absurden, zarten, aggressiven oder ekstatischen Szenen, die ‚Until our Hearts stop‘ als Abend zusammenfügen: Vielmehr schafft der Rhythmus – das Anschwellen und Abebben, die Beschleunigung und der Stillstand – einen gemeinsamen Ort des Begehrens und der Illusion“, verspricht die HAU-Dramaturgie.

Vorangetrieben wird dieses Anschwellen und Abebben von einem enthemmten Jazztrio (Samuel Halscheidt – Bass, Marc Lohr – Schlagzeug, Stefan Rusconi – Klavier/Trompete). Und wie es sich für eine „performative Versuchsanordnung“ gehört, werden selbstverständlich sämtliche physischen Grenzen und mentalen Barrieren der Beteiligten gesprengt: „Nackt trennt die Haut zwei Personen, aber im Spiel werden die beiden zu einem experimentierenden, sinnlichen Organismus“, weiß die HAU-Dramaturgie zu berichten. Und wer wären wir, da zu widersprechen.

HAU 2 Hallesches Ufer 32, Kreuzberg, Eintritt 11–22 €

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