Theater

Unverbiestert modern

Neco Celik zeigt

Kleine Prüfungsfrage: Wie heißt die beste Screwball-Komödie aller Zeiten? Neco Зelik (Bild), als Filmregisseur zur Oper gekommen, zögert mit der Antwort nicht. „Vielleicht Lubitschs ‚Sein oder Nichtsein‘?!“ Stimmt eigentlich. Ähnlich wie die ultimative Nazi-Farce ist auch „Vertrauenssache“ von Ernst Krenek weit mehr als bloß eine amerikanische Beziehungs-Komödie. Und hält doch zwei Londoner Ehepaaren, die in eine selbst aufgestellte Treue-Falle tappen, den Komödien-Spiegel vor.
Krenek komponierte seine Klavier-Kammeroper 1944/45 in den USA. Zur Blüte-Zeit der Screwball-Komödie, und zwar als Tour-Produktion für die Metropolitan Opera. Die Premiere fiel aus. Das Werk wurde erst 1960 in Deutschland uraufgeführt. Und anschließend vergessen wie das meiste von Krenek. Dessen Oper „Jonny spielt auf“ galt ab 1927 als vorübergehender „Jahrhunderterfolg“. Im amerikanischen Exil wurde der Schwiegersohn von Gustav Mahler nicht unbedingt unglücklich. Seine molluskenhafte Verwandlungsvielfalt aber macht es bis heute schwer, einen Stil-Begriff für ihn zu finden.
Dass Neco Зelik der richtige Regisseur für Kreneks Zwölfton-Komödie sein könnte, folgt aus seinem bisherigen Erfolg an der Staatsoper. Er war der Regisseur von „Moskau, Tscherjomuschki“, der Operette von Schostakowitsch, die im Februar zu Recht wiederaufgenommen wird. Wie Зelik damals den Jugendchor Charlottengrad auf Touren brachte, so könnte es ihm auch bei der Ehekomödie gelingen, beide Paare anzustacheln, die furchtlos die Vertrauensfrage stellen. Auch hier gilt es nicht zuletzt, aufs Gaspedal zu drücken. „Wer nicht vertraut, ist verloren“, fasst Зelik die Grundbotschaft des Einstünders zusammen.
Kreneks Buch lehnt sich an Herman Melvilles Roman „Maskeraden“ an. „Aber das hilft auch nichts“, lacht Зelik. „Die vier Protagonisten leben in und auf den Trümmern ihrer Beziehung – und trampeln darauf herum.“ Er nehme durchaus an, dass Krenek die Kreise der Oberschicht, in die er in den USA hineingestolpert sei, kritisieren wollte. „Das Werk hat einen Komödientonfall. Aber eine Tragödien-Fallhöhe.“
Matthias Lilienthal hatte den Film-Autodidakten Neco Зelik einst fürs Hebbel-Theater entdeckt. Mit der Uraufführung der „Schwarzen Jungfrauen“ von Feridun Zaimoglu gelang Зelik 2006 ein so durchschlagender Erfolg, dass das Stück anschließend ins Ballhaus Naunynstraße wanderte. Dort beflügelte es den Aufschwung des sogenannten postmigrantischen Theaters. „Ich finde alle Etiketten superschlecht“, wiegelt Зelik heute den Trend des damals geborenen Theater-Phantoms ab. „Ich bleibe Einzelgänger.“
In der Werkstatt des Schiller-Theaters kann er jetzt – ohne krampfhaft auf Migrationsthemen festgenagelt zu werden – seiner neuen Neigung zur Oper weiter nachgehen. Mit „Vertrauenssache“ steht eine der sinnigsten Ausgrabungen der Saison bevor. Und einer der raren Fälle, wo sich modernes Musiktheater das Lachen und den Spaß an der Sache nicht verbiestern lässt.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Vertrauenssache, ?Werkstatt im Schiller-Theater, Sa 21.9., Mi 25.9., Sa 28. + So 29.9., ?Sa 5. + So 6.10., jeweils 20 Uhr, Karten-Tel. 20 35 45 55

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