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"Viva Wälzer!" von Erik Heier

"Viva Wälzer!" von Erik Heier

Sieht fast so aus, als würden Deutschlands Buchpreis-Juroren gerade ein Spiel spielen: Wer hat den Größten? Also: seitenweise. Vergangener Herbst, Deutscher Buchpreis: Frank Witzel, "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969". 817 Seiten! Da liest man schon mal ein halbes Wochenende dran. Muss aber die Jury vom Preis der Leipziger Buchmesse geärgert haben. So, hier, bitte, nehmt das! Die vergaben den Belletristik-Trophäe nun an Guntram Vespers DDR-Memoirenroman "Frohburg" – 1008 Seiten! Treffer, versenkt. Wir könnten hier jetzt natürlich mutmaßen, der vom tip im vorherigen Heft für den Leipziger Buchpreis favourisierte Nis-Momme Stockmann hätte bei seinem Debüt-Roman  "Der Fuchs" besser noch 300 Seiten zusätzlich draufgepackt (zu den 720 Seiten, die das Buch tatsächlich hatte). Aber geschenkt. Sechs Jahre soll Vesper, der gebürtige Frohburger (Jahrgang 1941), der 1957 in die Bundesrepublik ging, an seinem Werk gearbeitet haben. Bei Frank Witzel las man sogar von zwölf Jahren Lebenszeit, die in seinem Buch stecken sollten. Dafür sind Preise da. Um dieses Dranbeleiben, Sich-Festbeißen, Sich-Quälen sichtbar zu machen. Diesen literarischen Olli-Kahnismus: Weiter, immer weiter. Damit das in den Buchläden ankommt. Witzel, Vesper, Stockmann. Wir rufen es laut aus. Viva Wälzer! So toll sind dicke Bücher. Muss jeder wissen. So, Deutscher-Buchpreis-Jury, jetzt seid ihr wieder dran. 1008 Seiten stehen auf der Uhr. Bis zum Herbst ist genug Zeit.

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