Theater

Volksbühne open air: Agora

Agora VolksbuehneAls das Deutsche Theater im letzten Sommer umgebaut wurde, hat es einfach ein Zelt auf den Vorplatz gestellt und dort Theater gespielt. Die Volksbühne nutzt ihren Umbau für eine Exkursion in die Antike. Bert Neumann hat ein Freilufttheater aus Holz gebaut, ei­ne Arena-Bühne mit Namen Agora. Das Programm für sechs Wochen im Sommer: eine Zeitreise ins Theater der Antike. Zur Eröffnung am 20. Mai inszeniert Dimiter Gotscheff, der mehr oder weniger illegitime Theater-Sohn oder zumindest der Regie-Neffe dritten Grades von Heiner Müller, in einer Bühne von Mark Lammert Müllers schwer verdauliche Fassung des „Prometheus“ des Aischylos.
Das wird garantiert konzentriertes Theater und keine Weich­eiveranstaltung. Von der nächsten Premiere kann man das nicht unbedingt sagen: Jйrфme Savary, ein in die Jahre gekommener Volkstheater-Kommerzveteran, inszeniert „Vögel ohne Grenzen„, eine Aristophanes-Variation. Abgesehen davon, dass Savarys letztes Berliner Gastspiel irgendwann in den 90ern im Theater am Ku’damm stattgefunden hat, wo es auch hingehörte, besitzt Savarys Thea­ter aus den 70ern einen hohen Schmierantenfaktor und hat auch sonst schon leichten Schimmel angesetzt. Ausgerechnet Savary zu engagieren kann man nur als Verzweiflungsakt der maroden Volksbühne bezeichnen. Angeblich hat sie zuvor lustigerweise Peter Stein als Regie-Gast umworben, aber der hatte dann wohl keine Lust.

Agora VolksbuehneAuch sonst ist sie derzeit dank des eigenen Missmanagements nicht vom Glück verfolgt. Weil Castorf im Prater ein Stück inszenierte, ohne die Aufführungsrechte dazu zu haben, musste er es erst in „Amanullah Amanullah“ umbenennen und es dann nach wenigen Aufführungen auf Anordnung der Rechteinhaber absetzen, eine Inszenierung für die Mülltonne sozusagen, aber garantiert nicht billig.

Text: Peter Laudenbach
Fotos: Thomas Aurin

Prometheus
Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte,
20., 22., 23.5., 19.30 Uhr,

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