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Vom Punk zur ?Avantgarde: Virve Sutinen

Virve Sutinen

Es ist ihre erste Ausgabe als Leiterin von Tanz im August. Genau betrachtet ist es sogar ihr erstes Tanzfestival überhaupt. Dabei hat die Finnin Virve Sutinen immerhin sechs Jahre lang das Tanzhaus in Stockholm geleitet. Und davor zehn Jahre lang die Avantgarde in ihrer Heimatstadt Helsinki gehütet. Die 52-Jährige kommt vom Punk, und sie war dabei, als die Freie Tanzszene die Welt eroberte. Sie war zwar nicht mittendrin, sondern am Rand von Europa. In Helsinki am Kiasma-Theater leitete sie eine große Bühne in einem zeitgenössischen Kunstmuseum. Davon berichtet sie nun in einer Installation im HAU 2, „The Memory Machine“ von Stephanie Thiersch. Sutinen erzählt von ihren Aufbrüchen und den legendären 1990er-Jahren: von Forsythe, den Flamen, den Finnen. Ja, auch die Finnen waren Tanz-Revoluzzer. Da hatte die damalige Hausbesetzerin bereits ihren Punkclub organisiert und in New York die Tisch School of the Arts besucht, wo Anthropologen so gern erzählten, wie sie durch die Welt reisten, und Fragen nachhingen wie: Warum muss der Mensch so dringend tanzen? Virve Sutinen haben das Reisen und die Frage ebenfalls fasziniert. Und ist heute selbst faszinierend, wenn sie spricht, zum Beispiel über ihr erstes Tanzsymposion in Helsinki und ihre Kunst, eine Band namens Rinneradio mit dem Bildhauer Thom Merrick choreografisch zusammengeführt zu haben. Ein Lächeln umspielt dabei ihre Lippen immer so, dass man nie weiß, ob sie mit ihrem Gegenüber einverstanden ist oder skeptisch bleibt.
Fasziniert ist sie vor allem von der Stärke der Kunst, als bekennende Feministin, als skandinavische Frau, die ihre Vorstellungen von der Emanzipation auch in der Kunst verteidigt. Kunst müsse ein Anliegen verpacken, sagt sie, wie eine süße Praline — in deren Mitte die Medizin versteckt ist. Das war ihr spätestens klar, als sie das Tanzhaus in Stockholm leitete. Theater dort sind eben nicht nur reine Kunstorte. Immer geht es zuerst ums Publikum. Wer, wenn nicht der Zuschauer, soll den Wert von Kunst erkennen?

Text: Arnd Wesemann

Foto: Oliver Mark

Virve Sutinen ist täglich zu erleben in Stephanie Thierschs Installation „Memory Machine“, 15.–17., 19.–30.8., ab 17 Uhr, HAU2, Eintritt frei

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