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Kulturpolitik

„Wahre oder Ware Volksbühne“ von Peter Laudenbach

Der Anarchist Guillaume Paoli will mit Jürgen Kuttner eine neue Volksbühnenbewegung initiieren

Peter Laudenbach

Statt sich über die Zumutungen der Berliner Realpolitik zu ärgern, macht Guillaume Paoli, bekannt geworden als Vordenker der Glücklichen Arbeitslosen, einen verblüffenden Vorschlag. Vor dem drohenden Ende der Volksbühne kehrt Paoli kurz zu ihren Anfängen zurück: der Volksbühnenbewegung, mit der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts Berliner Arbeiter einen eigenen Zugang zur Kultur verschafften. Der Bau der Volksbühne wurde von den Spargroschen der kulturinteressierten Arbeiterbewegung finanziert – ein ziemlich einmaliger Vorgang. Was im kommenden Jahr unter Dercon mit diesem Gebäude geschehen wird, hat mit dieser kulturrevolutionären Kraft nichts zu tun. Paoli: „Der designierte Intendant kommt aus der Tate Modern – einer Institution, die eine Schlüsselrolle in der so genannten urban regeneration Londons spielte. Nachdem dort die Bevölkerung durch horrende Mietpreise aus dem Stadtkern vertrieben wurde, musste die friedliche Ko-Existenz von Touristenscharen und globaler Oberschicht gewährleistet werden. Dafür steht die Tate Modern.“
Paolis überraschende Volte geht so: Dass das Gebäude demnächst von jemand anderem mit anderen Interessen benutzt wird, muss ja nicht das Ende der Volksbühnen-Idee bedeuten. Er schlägt vor, einfach eine neue Volksbühnen-Bewegung zu gründen. Ziel ist nicht, die Castorf-Intendanz zu verewigen, sondern eine offene Diskussion über die Funktion des Hauses. Paoli: „Sollte Chris Dercon die Intendanz übernehmen, würde die Bewegung nicht zögern, alles von vorne zu beginnen. Unter dem Namen ‚Die wahre Volksbühne’ wird sie dann Abende in eigener Regie veranstalten, die den Hausgeist weiter geistern lassen werden.“ Gegründet wird „Die wahre Volksbühne“ im Roten Salon.

Die Wahre Volksbühne Kontakt: [email protected]

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